
Lustig und lebhaft waren diese bunten Hundchen. Sie gediehen
prächtig und trotzten dem rauhen Klima des Siegerlandes. Weitere Würfe folgten und
bewiesen trotz engster Inzucht eine überzeugende Festigkeit der Erbgene. Die einzige
Schwierigkeit bestand darin, die Hundchen in gute Hände zu geben. Wer konnte damals einen
zusätzlichen Kostgänger aufnehmen?
In ihrer Genügsamkeit und Anpassungsfähigkeit begnügten sich die Kleinen jedoch mit der
Liebe und der Hausmannskost der Besitzer. Mit Nachbarn und Freunden gründete Ilse
Schleifenbaum den Förderverein. Sie fuhr täglich mit ihrem kleinen VW nach Siegen und
promenierte mit ihren Zöglingen in der Stadt. "Ich muß sie doch irgendwie bekannt
machen", entschuldigte sie sich einmal. Sie besuchte Ausstellungen und motivierte die
Besitzer ihrer Hunde zum Mitkommen. Es war eine Sternstunde für die Kromfohrländer, als
Schleifenbaum Otto Borner begegnete.
Otto Borner hatte als Kind schon Mäuse gezüchtet, war jahrelang mit Kaninchenzucht
beschäftigt und hatte sich dann nach dem Krieg den Hunden zugewandt. Er baute den VDH
wieder auf. In die Aufgabe, eine neue Rasse zu fördern, verliebte er sich auf den ersten
Blick. Diese Herausforderung einte so verschiedene Menschen - Borner den Praktiker und
Ilse Schleifenbaum die Künstlerin - in langen Jahren des Mühens und Kämpfens um die
Kromfohrländer, um die Anerkennung als Rasse. Der Förderverein lebte derweil ein stilles
und beschauliches Dasein, war nur als Basis für die Bürokratie notwendig. Wenige Aktive
trafen sich immer wieder zu langen und intensiven Diskussionen. Die finnische
Widerstandskämpferin Maria Akerblom gehörte dazu.
Und in 1969 kamen drei neue Züchter dazu, die unter den bekannten Zwingernamen vom Antareshof, vom Dieke und vom Weddern - züchteten.
Damals lebten bei Borners an die 14 Kromfohrländer in Haus und
Garten; bei Schleifenbaums waren es acht und mehr. Wie oft saßen wir in dem schönen
Salon bei Queen Ilse, um uns Peter und Diny und jeder hatte noch seinen eigenen Kromi auf
dem Schoß. Es gab endlose Debatten. Immer stand das Leitmotiv: "ingen (ohne) Bart -
mit'm Bart" auf der Tagesordnung.
Die neue Rasse variierte im Erscheinungsbild. Aber das Wesen war bestechend. Man sagt ja,
dass der Hund sich seinem Herrn anpaßt. Ich denke, Frau Schleifenbaum hätte sich nie
einer Rasse gewidmet, die ihrem Charakter nicht entsprochen hätte. Sie lebte einen Teil
ihres Lebens mit den Hunden und für sie. Der liebevolle Spott ihres Mannes -"Du mit
Deinen Hunden" trübte nicht den Blick des Juristen. "Wer züchten will, muß
Geld mitbringen", pflegte er zu sagen. Was bis auf den heutigen Tag zutrifft. Die
Kromfohrländerzucht bleibt im privaten Bereich.
Schon die Gründung des offiziellen e.V. fand erheblichen Widerstand bei Frau
Schleifenbaum. Aber mit der Anerkennung in 55 wurde es notwendig, den Förderverein
seligen Andenkens in ein vom VDH anerkanntes Gewand zu kleiden. Bis 1980 war Frau
Schleifenbaum 1. Vorsitzende des Vereins.
Zum 25. Jubiläum zog sich Frau Schleifenbaum auf ihren Ehrenvorsitz zurück, verfolgte
aber wachsam und mit stetiger Anteilnahme weiterhin die Geschicke ihrer Hunde.
Ehrenvorsitzende blieb sie bis zu ihrem Tod im Jahr 1991.
Bis in die letzten Lebensjahre hatte sie ihre Silvä, ein Geschenk von Maria Akerblöm,
natürlich "ingen Bart". Aber die liebevolle Rivalität der beiden Freundinnen
steht auf einem anderen Blatt. Fest steht, daß die Finnen heute allerschönste
rauhhaarige Kromfohrländer vorweisen.
Bei uns nimmt die Zahl der Hunde langsam zu, die Zuchtbasis wird breiter, das kynologische
Interesse an dieser Rasse. die aus absoluter Inzucht entstand, wächst allmählich. Bei
den Laien hat sich der Kromfohrländer längst durchgesetzt. Immer wieder taucht die Frage
auf: "Wie macht man eine neue Rasse?" Ein Teil Intuition, ein Teil Genie und ein
grosser Teil Engagement; das ist das Werk von Ilse Schleifenbaum.
Mit Dankbarkeit und ein bisschen Wehmut denke ich an die gemeinsamen Jahre zurück. Die Freude und Beglückung mit unseren wunderbaren Hunden bleiben als ewiges Andenken an die Urzüchterin.
(Erschienen in der Vereinszeitschrift "wuff" 4/1997)