Porträt Ilse Schleifenbaum

von Wanda Gräfin von Westarp

Wer war sie, deren 100. Geburtstag wir im November 1997 gedachten?
Wer war Ilse Schleifenbaum?
Ein Name, eng verbunden mit den Kromfohrländern, nur ein Name?

Vielen der alten Kromfohrländerzüchtern ist sie der absolute Begriff dieser Zucht, dieser lebhaften, intelligenten Hunde. Manche der Jungen kennen die märchenhafte Geschichte des Rassebeginns. Dahinter steht eine Persönlichkeit, schwierig zu beschreiben in der Vielfalt der Begabungen und Interessen. Als junge Frau war Ilse Schleifenbaum Pianistin, die auf Konzerten und Reisen den Größen dieser Welt begegnete. Der Krieg setzte eine Cäsur; Heirat, Erziehung der Söhne und die Unbilden der Nachkriegszeit bewältigte sie mit Charme und Energie. In diese Zeit fällt der erste Wurf von Peter, dem Findling und Fiffi der Foxin.

B-Wurf von der Gänsheide

Lustig und lebhaft waren diese bunten Hundchen. Sie gediehen prächtig und trotzten dem rauhen Klima des Siegerlandes. Weitere Würfe folgten und bewiesen trotz engster Inzucht eine überzeugende Festigkeit der Erbgene. Die einzige Schwierigkeit bestand darin, die Hundchen in gute Hände zu geben. Wer konnte damals einen zusätzlichen Kostgänger aufnehmen?

In ihrer Genügsamkeit und Anpassungsfähigkeit begnügten sich die Kleinen jedoch mit der Liebe und der Hausmannskost der Besitzer. Mit Nachbarn und Freunden gründete Ilse Schleifenbaum den Förderverein. Sie fuhr täglich mit ihrem kleinen VW nach Siegen und promenierte mit ihren Zöglingen in der Stadt. "Ich muß sie doch irgendwie bekannt machen", entschuldigte sie sich einmal. Sie besuchte Ausstellungen und motivierte die Besitzer ihrer Hunde zum Mitkommen. Es war eine Sternstunde für die Kromfohrländer, als Schleifenbaum Otto Borner begegnete.

Otto Borner hatte als Kind schon Mäuse gezüchtet, war jahrelang mit Kaninchenzucht beschäftigt und hatte sich dann nach dem Krieg den Hunden zugewandt. Er baute den VDH wieder auf. In die Aufgabe, eine neue Rasse zu fördern, verliebte er sich auf den ersten Blick. Diese Herausforderung einte so verschiedene Menschen - Borner den Praktiker und Ilse Schleifenbaum die Künstlerin - in langen Jahren des Mühens und Kämpfens um die Kromfohrländer, um die Anerkennung als Rasse. Der Förderverein lebte derweil ein stilles und beschauliches Dasein, war nur als Basis für die Bürokratie notwendig. Wenige Aktive trafen sich immer wieder zu langen und intensiven Diskussionen. Die finnische Widerstandskämpferin Maria Akerblom gehörte dazu.

Und in 1969 kamen drei neue Züchter dazu, die unter den bekannten Zwingernamen vom Antareshof, vom Dieke und vom Weddern - züchteten.

Ilse Schleifenbaum

Damals lebten bei Borners an die 14 Kromfohrländer in Haus und Garten; bei Schleifenbaums waren es acht und mehr. Wie oft saßen wir in dem schönen Salon bei Queen Ilse, um uns Peter und Diny und jeder hatte noch seinen eigenen Kromi auf dem Schoß. Es gab endlose Debatten. Immer stand das Leitmotiv: "ingen (ohne) Bart - mit'm Bart" auf der Tagesordnung.

Die neue Rasse variierte im Erscheinungsbild. Aber das Wesen war bestechend. Man sagt ja, dass der Hund sich seinem Herrn anpaßt. Ich denke, Frau Schleifenbaum hätte sich nie einer Rasse gewidmet, die ihrem Charakter nicht entsprochen hätte. Sie lebte einen Teil ihres Lebens mit den Hunden und für sie. Der liebevolle Spott ihres Mannes -"Du mit Deinen Hunden" trübte nicht den Blick des Juristen. "Wer züchten will, muß Geld mitbringen", pflegte er zu sagen. Was bis auf den heutigen Tag zutrifft. Die Kromfohrländerzucht bleibt im privaten Bereich.

Schon die Gründung des offiziellen e.V. fand erheblichen Widerstand bei Frau Schleifenbaum. Aber mit der Anerkennung in 55 wurde es notwendig, den Förderverein seligen Andenkens in ein vom VDH anerkanntes Gewand zu kleiden. Bis 1980 war Frau Schleifenbaum 1. Vorsitzende des Vereins.

Zum 25. Jubiläum zog sich Frau Schleifenbaum auf ihren Ehrenvorsitz zurück, verfolgte aber wachsam und mit stetiger Anteilnahme weiterhin die Geschicke ihrer Hunde. Ehrenvorsitzende blieb sie bis zu ihrem Tod im Jahr 1991.

Bis in die letzten Lebensjahre hatte sie ihre Silvä, ein Geschenk von Maria Akerblöm, natürlich "ingen Bart". Aber die liebevolle Rivalität der beiden Freundinnen steht auf einem anderen Blatt. Fest steht, daß die Finnen heute allerschönste rauhhaarige Kromfohrländer vorweisen.

Bei uns nimmt die Zahl der Hunde langsam zu, die Zuchtbasis wird breiter, das kynologische Interesse an dieser Rasse. die aus absoluter Inzucht entstand, wächst allmählich. Bei den Laien hat sich der Kromfohrländer längst durchgesetzt. Immer wieder taucht die Frage auf: "Wie macht man eine neue Rasse?" Ein Teil Intuition, ein Teil Genie und ein grosser Teil Engagement; das ist das Werk von Ilse Schleifenbaum.

Mit Dankbarkeit und ein bisschen Wehmut denke ich an die gemeinsamen Jahre zurück. Die Freude und Beglückung mit unseren wunderbaren Hunden bleiben als ewiges Andenken an die Urzüchterin.


(Erschienen in der Vereinszeitschrift "wuff" 4/1997)