Unser Hund wird älter

Auch wenn man bei unseren verspielten Hunden eigentlich gar nicht daran denken möchte, so zeigen sich doch unweigerlich irgendwann Zeichen nachlassender Körperfunktionen. Zuerst fragen wir uns natürlich, wann unser Hund eigentlich als “alt” zu bezeichnen ist. Früher galt ja die Faustregel, ein Hundejahr mal 7 gleich echtes Alter. So sieht man das heute nicht mehr. Ein einjähriger Hund entspricht einem 15jährigen Teenie und ein zweijähriger Hund schon einem gestandenen 23jährigen. Erst dann geht es langsamer mit 4-Jahresschritten voran. 10 Hundejahre entsprächen damit 55 Menschenjahren. Das sind natürlich nur grobe Richtwerte, aber speziell in den ersten Jahren kommt diese Einschätzung schon recht gut hin.
Nur bei dem Beginn des Seniorenalters gibt es bei den Hunderassen ganz große Unterschiede. Eine Dogge wäre mit 10 Jahren für ihre Rasse in einem gesegneten Alter und hätte ihre Lebenserwartung schon überschritten. Bei einem Dackel fängt jetzt das Seniorenalter erst an. Er darf noch mit einer Erwartung von 5-8 Jahren rechnen. Bei unserer Rasse liegt der Beginn des Seniorenalters wohl um das achte Lebensjahr. Nicht umsonst liegt mit Vollendung dieses Jahres auch die Begrenzung für den Zuchteinsatz einer Hündin.
Worauf soll man spätestens ab jetzt besonders achten? Zu den typischen Altersbeschwerden gehören in erster Linie Gelenkprobleme. Der Hund bewegt sich nicht mehr so leichtfüßig. Die Herzfunktion kann nachlassen, also Achtung bei unerklärlichem Husten oder Atemnot. Die Nieren sind ein sehr gefährdetes Organ und zeigen ihre nachlassende Funktion meist erst wenn es zu spät ist. So kann es auch bei der Leber oder der Bauchspeicheldrüse sein. Aber da kann man vorbeugen. Bei unserem Tierarzt sah ich bei einem der Impftermine ein Faltblatt ausliegen über einen “Seniorencheck”. Da unsere älteste Hundedame (Paloma) bereits im 10 Lebensjahr steht, machte ich für sie gleich einen Termin, obwohl sie keine Auffälligkeiten zeigte.
Fröhliche, alte Hündin (14 Jahre) Es wurde eine Zeitstunde reserviert und ich war sehr gespannt was da alles gemacht würde. Nun, zuerst wurde die Haut auf Veränderungen, z.B. Hauttumore, untersucht, aber außer einer harmlosen Alterswarze und einem Grützbeutel war alles i.O.. Zähne und Zahnfleisch zeigten sich in einem guten, altersgemäßen Zustand, ohne Auffälligkeit. Speziell Zahnvereiterungen und Zahnfleischentzündungen können dem älteren Hund sehr zusetzen. Augen und Ohren waren ebenfalls in Ordnung. Die äußere Untersuchung der Gelenke auf Schmerzhaftigkeit in der Bewegung verlief unauffällig. Danach folgt die Blutabnahme für ein kleines Blutbild. Damit kann der Tierarzt sich einen ersten Überblick verschaffen. Wären z.B. die Nierenwerte auffällig, würde er auch noch eine Urinuntersuchung vornehmen und das Ganze vertiefen. Doch diese Untersuchung war bei Paloma o.B. Zum Abschluss wurde eine Körper-Röntgenaufnahme gemacht. Hier wird auf die inneren Organe geschaut, z.B. Tumore oder Vergrößerungen von Milz und Leber und am Rande sieht man auch die Wirbelsäule. Mögliche Degenerationen zeigen sich schon vor den ersten Beschwerden. Eventuell wird auch noch ein Ultraschall gemacht, für die weiblichen Geschlechtorgane ist das die Untersuchungsmethode der Wahl. Da Paloma kastriert ist, entfiel dieser Schritt. Erfreulicherweise durfte ich nach der Abschlussbesprechung mit einer putzmunteren Seniorin nach Hause gehen, der ein sehr gutes Allgemeinbefinden attestiert worden war. Diesen Seniorencheck kann ich nur allen Hundehaltern empfehlen. Vorbeugen ist allemal besser als auf richtige Symptome zu warten. Da alle Tierärzte unterschiedlich abrechnen, möchte ich hier keine Aussage zum Preis einer solchen Untersuchung machen, aber arm wird man davon nicht.
Auf der Kynologischen Fachtagung in Leonberg, die ich kürzlich besuchte, wurde ein solcher Check übrigens auch für Zuchthündinnen aller Rassen nach dem fünften Lebensjahr vor einer Belegung empfohlen. Speziell die empfindlichen Nieren könnten bei eingeschränkter Funktion der Belastung von Trächtigkeit und Säugezeit nicht mehr gewachsen sein.
Natürlich können wir uns nicht gegen alles wappnen, aber eine gewisse Sorgfaltspflicht hat jeder Hundehalter und besonders die Züchter.

Inga Becker

(aus wuff 4/2000)

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