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Toto im Zauberland von
Inga Becker |
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Dass unsere Hunde gute Schauspieler sind, wussten sicherlich schon viele Kromileute. Aber würde dieses Talent auch für eine veritable Theateraufführung genügen? Diese Fragestellung ergab sich durch den Spielplan unserer Volksschauspielbühne für 2005. Dort stand das Kindermusical „Der Zauberer von OZ“ auf dem Programm, unsere Tochter Romina war für die Rolle der Dorothy vorgesehen und der Regisseur wünschte sich für die Figur des Toto einen leibhaftigen Hund. ![]() Bekanntlich besitzt in diesem Stück die junge Dorothy einen Hund namens Toto, der durch einen Biss ins Bein der unbeliebten Nachbarin Mrs. Gulch die Handlung ins Rollen bringt. Die Frage nach der Rasse erübrigte sich in unserer Familie natürlich. Wegen der speziellen Prägung entschloss sich unsere Tochter, einen eigenen Hund zu sich in die Familie zu holen und so gingen wir auf die Suche nach einem passenden Kandidaten. Welche Odyssee da manche Interessenten hinter sich bringen müssen, erlebten wir zumindest ansatzweise. Bei Frau Scholz in Karlsruhe wurden wir doch noch rechtzeitig fündig; Coolio vom Brunnenweg hatte dort mit Bambi vom Großoberfeld einen schönen Wurf. Am 8. Januar 2005 kam also Coco-Toto vom Großoberfeld nach Ötigheim, wo sie von unserem Rudel (Emma, Bonny, Paloma und Charly) mehr oder weniger begeistert aufgenommen wurde. Bonny und Toto sind jedenfalls vom ersten Tag an die besten Spielkameraden geworden. Emma sorgt zwischendurch für Disziplin und seit der ersten Läufigkeit findet auch Charly die Kleine ganz süß. Doch für Toto sollte nach einer unbeschwerten Kindheit recht bald der Ernst des Theaterlebens beginnen. Wurde sie als Welpe von Romina schon regelmäßig ins Ötigheimer Zimmertheater mitgenommen, stand sie mit knapp sechs Monaten erstmals auf der großen Probebühne. Da galt es gleich die richtigen Weichen zu stellen. Vom ersten Tag an war ein kurzer täglicher Aufenthalt in der Hundebox angesagt. Schließlich muss sich die arme Toto auf der Bühne von der bösen Nachbarin in einem Fahrradkorb mitnehmen lassen, um dem Sheriff überstellt zu werden. Die Verantwortlichen der Volksschauspiele besorgten ein ausrangiertes Postfahrrad, für dessen vorderen Ständer wir nun einen passenden, halbwegs historischen Korb suchen mussten. Dazu war schließlich eine Fahrt in den Schwarzwald nötig und bei einem großen Korbwarenhersteller fanden wir einen passenden Deckelkorb. Damit Toto sich dort auch schön brav hineinstecken ließ, übten wir natürlich spielerisch zu Hause und es durften die köstlichsten Leckereien darin verzehrt werden. Das wurde bei jeder Probe und jeder Aufführung natürlich beibehalten. Schließlich muss es beim Theater jedes Mal funktionieren und es kann nicht wie beim Film eine verpatzte Szene einfach herausgeschnitten werden. |
Das war also gelöst und hat auch immer gut geklappt. Die zweite große Aufgabe für Toto bestand darin, ganz allein auf die Bühne zu rennen, Romina zu finden und sie begeistert zu begrüßen. Nun, jeder der einen Kromi hat, weiß wie sehr die Bezugspersonen geliebt werden, und eine kurze Trennung genügt schon um die größten Wiedersehensfreuden auszulösen. Ich musste also Toto nur beim Auftrittsort festhalten und ihre Unruhe etwas dämpfen. Aufs Stichwort schoss sie jedes Mal wie eine Kanonenkugel über die riesige Bühne direkt zur geliebten Dorothy. In der folgenden Szene, wird die Farm in Kansas mit allen Figuren vorgestellt und Dorothy muss dann ganz allein mit Toto auf der Bühne das berühmte Lied „Somewhere over the rainbow“ singen. Bei den Proben mit leerem Zuschauerraum klappte das eigentlich ganz gut. Da wir ja auf einer Naturbühne spielen, machte es nicht mal etwas aus, dass Toto auch mal ein Bächlein machen musste. Nur Romina hätte vor innerlichem Lachen fast ihren Text vergessen. Um Toto zu beschäftigen und vollständig von dem Zuschauerraum abzulenken versteckte ich an ausgewählten Plätzen getrocknetes Rindfleisch, Trockenpansen oder mal ein Stückchen Käse. Das hatte sie natürlich sofort kapiert und die Suche nach den Leckereien war ihr fortan viel wichtiger als fast viertausend Kinder und Erwachsene in dem riesigen Zuschauerraum. Dorothy reißt nun bekanntlich mit ihrem Hund, der der bösen Nachbarin natürlich entkommen durfte, aus und wird von einem Wirbelsturm ins zauberhafte Land OZ getragen. Diese Traumsequenzen im Lande OZ werden von viel Musik, üppig kostümierten Gruppen und viel Pyrotechnik begleitet. Würde das ein junger Hund aushalten? Wohl eher nicht und so wurde entschieden, diese Szenen mit einem Stoffhund zu spielen, den Dorothy im Arm tragen kann. Doch woher einen Solchen nehmen? In Hamburg wurde mein Mann durch Zufall fündig und ein prächtig braun-weiß gefleckter Kuschelhund konnte als Double einspringen, natürlich mit passendem Brustgurt und kurzer Leine wie bei der echten Toto. Ein kleines Problem entstand in der letzten Szene durch die vielen stürmischen Umarmungen, die Dorothy beim Wiedersehen in Kansas an allen ihren Lieben vornehmen muss. Das passte der kleinen Toto gar nicht und sie fing an, die entsprechenden Spieler zu attackieren. So wurde für mich also kurzerhand die Rolle einer Farmersmagd erfunden und ich konnte Toto in der Szene übernehmen und beruhigen. Der begeisterte Schlussapplaus war dann eine schöne Belohnung für die intensive Probenarbeit. Insgesamt hat diese sicherlich stressige Erfahrung uns allen viel gebracht. Toto musste einfach vieles aushalten, was wir sonst vielleicht von ihr ferngehalten hätten und es hat ihre Entwicklung nur positiv beeinflusst. Als Liebling der Kinder wurde sie ständig gestreichelt oder herumgeführt. War sie anfangs noch nicht so begeistert, so akzeptierte sie Berührungen von Fremden immer besser. Selbst kleine Panikattacken auf die heftige Belagerung durch Kindergruppen stand ich einfach mit ihr durch bis sie sich beruhigt hatte und wieder anfassen ließ. Den regelmäßigen Einsatz von Bachblüten will ich natürlich nicht verschweigen. Nun ist sie acht Monate alt und schon ein Theaterstar. Leider sind die fünf Aufführungen schon vorbei. Wir freuen uns sehr auf nächstes Jahr wenn Dorothy wieder mit Toto aus Kansas ins Land Oz fliegen muss. Wer Interesse hat, unter www.volksschauspiele.de kann man sich über die Termine kundig machen, Presseberichte lesen und Bilder anschauen. |
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aus
wuff 3/2005 |
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