So lautet die Überschrift eines Artikels im angesehenen Wall Street Journal in Amerika. Bei dem Fremdling handelt es sich um einen Kromfohrländer. Wie kommt ein Kromfohrländer ins Wall Street Journal? Die Antwort gibt der Autor, Raymond Sokolov, der Feuilletonchef dieses Blattes, in dem Artikel, den ich hier zusammenfasse (kursiv Übersetzung des Artikels):
Raymond Sokolov begleitete im Herbst vergangenen Jahres Henry Kissinger nach Berlin, um eine neue amerikanische Akademie einzuweihen. Sie soll den intellektuellen Austausch der "beiden führenden westlichen Nationen" befruchten. Duncan, sein zehn Wochen alter Welpe, arbeitet ebenfalls hart an diesem Projekt.
"Muß eine Art Hund sein" mutmaßte der Gesundheitsinspektor am Kennedy Airport. "Haben wir nicht schon genug Hunde in unserem Land?"
Die einfache Antwort ist Ja. Aber kaum einer davon ist Kromfohrländer. Duncan ist der dritte. Ich habe einiges über diese bemerkenswerte Rasse in einer Enzyklopädie der Hunderassen gelesen. Mr. Sokolov hatte zuvor einen Kuvazs, der von einer großen in eine kleine Wohnung mit umgezogen war. Um ihn zu ersetzen, wollten wir ein viel kleineres Tier, eines, das nicht auf dem Grundstück unsympathischer Nachbarn herumtobt, eines, das nicht an 13 Monaten im Jahr große Klumpen Fell abwirft. Sie meinen vielleicht, daß es eine Reihe von Rassen gibt, die diese Anforderungen erfüllen, aber wir wußten, daß kleine Hunde dazu neigen, Kläffer zu sein und sie beständig beruhigt werden müssen. Wir wollten einen ruhigen, charmanten Begleiter, der nicht ständig frustriert ist, daß er keine Hüte- oder Jagdaufgaben mehr erfüllen darf. Der Kromfohrländer war unsere Rasse.
Der Journalist schildert, daß es fast aussichtslos schien, einen solchen Hund zu bekommen. Dann erinnerte er sich an eine deutsche Praktikantin (er schreibt wörtlich: in diesen Tagen ist es besser das deutsche Wort Praktikantin zu verwenden), die bei ihm gearbeitet hatte. Sie hilft ihm den Kontakt zu zwei Züchtern herzustellen. Von Lehmbeckers kam ein Foto von Branca und eine Einladung. Wir kamen und beobachteten acht hamster große, sechs Tage alte Säuger an Branca. Später schliefen sie auf einem Kissen. Branca saß bei meinen Füßen. Und so wurde vereinbart, Duncan im November mit in die USA zu nehmen.
Der Autor schildert, daß er inzwischen mehr über die Kromfohrländer erfahren hat, insbesondere aus dem Buch von "Wanda, Countess von Westarp". Er erzählt die kurze Geschichte unserer Hunderasse.
Anfang November wog Duncan sieben Pfund und maß ungefähr 16 Zoll ("ohne Schwanz"), so in einem der zahlreichen Faxe zwischen New York und Lingen. Er war noch klein genug, um mit mir in der Touristenklasse der KLM zu fliegen, sofern er, so bekräftigte ein Repräsentant der Fluglinie, in einem zugelassen Behälter unter dem Sitz transportiert würde.
Keine Probleme bereiteten die Einfuhrregeln, es bedurfte nur eines
Impfpasses und eines Gesundheitszeugnisses. Ich verbrachte zwei Nächte in dem
"hundigen" aber sonst makellosem Vorortheim der Lehmbeckers, während ein
zukünftiger Hundebesitzer nach dem nächsten kam, um seinen Hund abzuholen. Am Morgen des
dritten Tages rollte Duncan durch die Tiefen des Amsterdamer Schiphol Flughafens. Ich trug
ihn auf dem Arm durch den Metalldetektor. Ein mißtrauischer Wachmann argwöhnte, daß
unter seinem Bauch eine Bombe befestigt sein könnte. Wir besänftigten ihn und einen
panisch-reagierenden Steward, der in der Nacht zuvor eine traumatische Erfahrung mit einer
Katze gemacht hatte, die ausgebrochen war, die Passagiere angegriffen hatte und an den
Wänden herumgeturnt war. Duncan schlief nonstop, seinen Kopf in einer Ecke des
halboffenen Tragebehälters. Ich nahm ihn mit zur Toilette und setzte ihn auf den Boden.
Er synchronisierte sein Geschäft mit dem meinen. Mindestens ein Zweibeiner war Duncan
bereits zuvorgekommen. Ich wischte beides weg.
Wir kamen in wenigen Sekunden durch den Zoll. So kam Duncan in die Vereinigten Staaten, ein lebendes Symbol des alliierten Sieges im Zweiten Weltkrieg und der positiven Rolle Amerikas beim Wiederaufbau Europas. Er hat sich als Produkt eines wiedervereinigten Deutschlands inzwischen mit seiner neuen Heimat in New York arrangiert. Er hat sich auf amerikanische Hundenahrung eingestellt und sein Englisch verbessert sich sprunghaft.
Karsten Hartmann
(aus wuff 1/99)