Gelenkschäden vorbeugen!

von Heike Haase

Immer wieder hört man von Kromfohrländern, die an Spondylarthrosen und anderen degenerativen Gelenkerkrankungen leiden, oft schon im besten Kromi-Alter von 6 oder 7 Jahren. Eigentlich ungewöhnlich für so eine kleine, leichtgebaute Rasse. Das bestätigte mir auch der Tierarzt Dr. Peter Kock, der vor seiner Niederlassung in eigener Kleintierpraxis in Elmshorn 15 Jahre lang an der Tierärztlichen Hochschule Hannover beschäftigt war und viel Erfahrung mit Kromfohrländern hat. Dr. Kock macht –eine ausgewogene Ernährung mit Vermeidung von Übergewicht vorausgesetzt- die enorme Springfreudigkeit unserer Rasse hauptverantwortlich für den vorzeitigen Gelenkverschleiß. Diese wird von den Haltern meist noch unbewußt gefördert, weil es gar zu drollig ist, wenn einem der kleine Kerl wie ein "Flummi" mühelos aus dem Stand bis an die Nasenspitze hüpft. Bei jedem Sprung wirken enorme Kräfte punktuell auf die Zwischenwirbel- und Extremitätengelenke ein. Dauerhafte Überbeanspruchung der Gelenke aber führt zu vorzeitiger Degeneration und schmerzhaften Entzündungen. Daher animieren Sie Ihren Hund bitte nicht zu Höchstleistungen, vor allem wenn er sich noch im Wachstum befindet, und bremsen Sie den kleinen Wildfang auch mal, wenn er es von selbst übertreibt! In vielen Fällen mag zudem eine erbliche Komponente vorliegen, die vorzeitigen Verschleiß begünstigt.B-Wurf vom Cronewaldstollen

Für ebenso wichtig wie das Vermeiden von Überbelastung aber hält Dr. Kock die optimale Versorgung des Knorpels und des Bindegewebes mit Nähr- und Aufbaustoffen.

Knorpel besteht aus Knorpelzellen (Chondrozyten), die in eine Grundsubstanz aus Kollagen und Proteoglykanen eingebettet sind. Kollagen ist eine faserige Substanz aus langkettigen Proteinen, die für die Dehnungsfestigkeit des Knorpels verantwortlich ist. Proteoglykane bestehen hauptsächlich aus Hyaluronsäure und Glykosaminoglykanen. Sie sind u.a. für die Wasserspeicherung, auf der die Druckelastizität und damit die stoßabsorbierende Funktion des Knorpels beruht, zuständig. Der Spalt zwischen zwei Gelenkenden ist mit Gleitsubstanz (Synovia) gefüllt. Stabilität erhält das Ganze durch aus straffem Bindegewebe bestehende Bänder und die Gelenkkapsel. Diese bestehen im Prinzip aus den gleichen Grundsubstanzen wie der Knorpel, allerdings in anderen Mengenverhältnissen und anders strukturiert.

Knorpel ist frei von Blutgefäßen. Seine Ernährung erfolgt passiv durch Diffusion von in der Synovia gelösten Nährstoffen in das Knorpelgewebe hinein bei gleichzeitigem Abtransport von Stoffwechselabbauprodukten. Diese "Nährstoffpumpe" wird durch die natürlichen Bewegungen der Gelenke in Gang gehalten.

Im Knorpel finden ständig Auf-, Ab- und Umbauvorgänge statt, die sich idealerweise in einem stabilen Gleichgewicht befinden. Dazu ist die ständige Zufuhr ausreichender Mengen an Bausteinen für die Synthese von Kollagen und Protoeglykanen erforderlich.

Natürlicherweise sind diese Baustoffe in der Nahrung des Hundes enthalten. Bei sportlichen oder körperlich besonders geforderten Hunden, bei unphysiologischen Belastungen z.B. durch Gelenkfehlstellungen, bei Junghunden, deren Skelett noch nicht ausgereift ist, aber auch bei alten Hunden können die mit der Nahrung verabreichten Bausteine allerdings unzureichend sein. Die Folge ist ein weniger gut strukturierter Knorpel mit mangelhaftem Wasserbindungsvermögen, der die punktuell hohen Belastungen schlechter abfedert und damit verschleißempfindlicher ist. Es kommt zu mikroskopisch feinen Rissen, die mit minderwertigem Bindegewebe aufgefüllt werden. Die Funktion des Knorpels nimmt daher schleichend ab, und schließlich setzen Entzündungen ein. Wenn der Hund anfängt zu lahmen, ist dieser Prozeß schon ziemlich weit fortgeschritten. Er wird zunehmend bewegungsunlustig. Für die "Ernährungspumpe" aber ist –wie gesagt- Bewegung nötig. So schließt sich der Teufelskreis.

In der Humanmedizin, inzwischen aber auch in der Klein- und Großtierpraxis, hat man positive Erfahrungen mit Glukosaminsulfat und Glykosaminoglykanen (GAG) in der Vorbeugung und Behandlung von Arthrosen gemacht. Sie können zwar zerstörten Knorpel nicht wiederherstellen, können aber die Funktion des Restknorpels entscheidend verbessern und ein Fortschreiten der Zerstörung bremsen.

In der Tiermedizin hat sich vor allem das GAG Chondroitinsulfat, das oral über den Verdauungstrakt gut aufgenommen wird, bewährt. In Studien an Ratten, Hunden und Pferden wurde nachgewiesen, daß oral verabreichtes Chondroitinsulfat das GAG-Profil in Gelenkknorpeln, Menisken, Bandscheiben und anderen bindegewebigen Strukturen deutlich verbessert.

 

Dr. Kock betont vor allem den prophylaktischen Einsatz dieser Substanzen: Angefangen vom noch ungeborenen Welpen über die Mutter im letzten Drittel der Trächtigkeit, beim Junghund, beim gesunden erwachsenen sowie beim alten Hund sollte die Versorgung mit GAG’s durch zusätzliche Gaben mit dem Futter sichergestellt werden.

Eine langjährige Züchterin von Rauhhaarteckeln in meinem Bekanntenkreis füttert seit etwa 4 Jahren (15 Würfe) ein entsprechendes Präparat. Sie berichtet, daß die so versorgten Welpen im Schnitt 1-2 Tage früher anfingen zu laufen und insgesamt "straffer aufgebaut" seien. Aber auch die "Rentner" unter ihren Hunden, die z.T. schon an Gelenkproblemen litten, seien mobiler und bewegungsfreudiger geworden.

Bellona vom Hoppenberg mit NachwuchsGlykosaminoglykane können aus natürlichen Quellen (z.B. Extrakt der neuseeländischen grünlippigen Zuchtmuschel Perna canaliculus, Rindertracheenknorpel) gewonnen oder nativ eingesetzt werden. Insbesondere Perna canaliculus-Präparate werden inzwischen von vielen Herstellern angeboten. Sie sind über Tierärzte zu beziehen, aber auch fast jedes Zoogeschäft führt sie. Entscheidend ist allerdings nicht der absolute Gehalt an Muschelextrakt, sondern die Qualität. Denn abhängig von Standortbedingungen, ihrem Reproduktionszyklus und ihrem Alter weisen die Muscheln unterschiedliche Zusammensetzungen in ihrer Hämolymphe auf. Zudem kommt es auch auf ihre Auswahl an und wie sie verarbeitet und aufgeschlossen werden, damit die Wirkstoffe vom Hund aufgenommen werden können (Bioverfügbarkeit). Fragen Sie Ihren Tierarzt. Mir wurden z.B. folgende Präparate empfohlen: "DOGOSAN" von aristavet und "Canosan" von Boehringer. "DOGOSAN" enthält daneben noch einen glukosaminhaltigen Rohstoff, der dem Hund eine forcierte Eigensynthese von GAG’s ermöglicht.

Die Rohstoffe (Perna canaliculus, Rindertracheen) sind gut verträglich und können ohne Bedenken auch in größeren Mengen aufgenommen werden.

Allerdings sind auch Präparate im Handel, die daneben Vitamine und Mineralstoffe enthalten. Bei ihnen ist Vorsicht geboten, da eine Überversorgung mit Calcium oder Phosphor und/oder eine Unausgewogenheit dieser Mineralstoffe zur Schädigung des Skeletts und des Gelenkknorpels führen kann, insbesondere bei gleichzeitiger Überversorgung mit Vitaminen der D-Gruppe.

Die Wissenschaft ist sich darüber einig, daß Sie mit guten GAG-Präparaten dazu beitragen können, daß Ihr Hund bis ins hohe Alter lebhaft und bewegungsfreudig bleibt.

Heike Haase

(aus wuff 2/99)

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