Für ebenso wichtig wie das
Vermeiden von Überbelastung aber hält Dr. Kock die optimale Versorgung des Knorpels und
des Bindegewebes mit Nähr- und Aufbaustoffen.
Knorpel besteht aus
Knorpelzellen (Chondrozyten), die in eine Grundsubstanz aus Kollagen und Proteoglykanen
eingebettet sind. Kollagen ist eine faserige Substanz aus langkettigen Proteinen, die für
die Dehnungsfestigkeit des Knorpels verantwortlich ist. Proteoglykane bestehen
hauptsächlich aus Hyaluronsäure und Glykosaminoglykanen. Sie sind u.a. für die
Wasserspeicherung, auf der die Druckelastizität und damit die stoßabsorbierende Funktion
des Knorpels beruht, zuständig. Der Spalt zwischen zwei Gelenkenden ist mit Gleitsubstanz
(Synovia) gefüllt. Stabilität erhält das Ganze durch aus straffem Bindegewebe
bestehende Bänder und die Gelenkkapsel. Diese bestehen im Prinzip aus den gleichen
Grundsubstanzen wie der Knorpel, allerdings in anderen Mengenverhältnissen und anders
strukturiert.
Knorpel ist frei von
Blutgefäßen. Seine Ernährung erfolgt passiv durch Diffusion von in der Synovia
gelösten Nährstoffen in das Knorpelgewebe hinein bei gleichzeitigem Abtransport von
Stoffwechselabbauprodukten. Diese "Nährstoffpumpe" wird durch die natürlichen
Bewegungen der Gelenke in Gang gehalten.
Im Knorpel finden ständig
Auf-, Ab- und Umbauvorgänge statt, die sich idealerweise in einem stabilen Gleichgewicht
befinden. Dazu ist die ständige Zufuhr ausreichender Mengen an Bausteinen für die
Synthese von Kollagen und Protoeglykanen erforderlich.
Natürlicherweise sind diese
Baustoffe in der Nahrung des Hundes enthalten. Bei sportlichen oder körperlich besonders
geforderten Hunden, bei unphysiologischen Belastungen z.B. durch Gelenkfehlstellungen, bei
Junghunden, deren Skelett noch nicht ausgereift ist, aber auch bei alten Hunden können
die mit der Nahrung verabreichten Bausteine allerdings unzureichend sein. Die Folge ist
ein weniger gut strukturierter Knorpel mit mangelhaftem Wasserbindungsvermögen, der die
punktuell hohen Belastungen schlechter abfedert und damit verschleißempfindlicher ist. Es
kommt zu mikroskopisch feinen Rissen, die mit minderwertigem Bindegewebe aufgefüllt
werden. Die Funktion des Knorpels nimmt daher schleichend ab, und schließlich setzen
Entzündungen ein. Wenn der Hund anfängt zu lahmen, ist dieser Prozeß schon ziemlich
weit fortgeschritten. Er wird zunehmend bewegungsunlustig. Für die
"Ernährungspumpe" aber ist wie gesagt- Bewegung nötig. So schließt sich
der Teufelskreis.
In der Humanmedizin,
inzwischen aber auch in der Klein- und Großtierpraxis, hat man positive Erfahrungen mit
Glukosaminsulfat und Glykosaminoglykanen (GAG) in der Vorbeugung und Behandlung von
Arthrosen gemacht. Sie können zwar zerstörten Knorpel nicht wiederherstellen, können
aber die Funktion des Restknorpels entscheidend verbessern und ein Fortschreiten der
Zerstörung bremsen.
In der Tiermedizin hat sich
vor allem das GAG Chondroitinsulfat, das oral über den Verdauungstrakt gut aufgenommen
wird, bewährt. In Studien an Ratten, Hunden und Pferden wurde nachgewiesen, daß oral
verabreichtes Chondroitinsulfat das GAG-Profil in Gelenkknorpeln, Menisken, Bandscheiben
und anderen bindegewebigen Strukturen deutlich verbessert.
Dr. Kock betont vor allem den prophylaktischen Einsatz dieser Substanzen: Angefangen vom noch ungeborenen Welpen über die Mutter im letzten Drittel der Trächtigkeit, beim Junghund, beim gesunden erwachsenen sowie beim alten Hund sollte die Versorgung mit GAGs durch zusätzliche Gaben mit dem Futter sichergestellt werden. Eine langjährige Züchterin von Rauhhaarteckeln in meinem Bekanntenkreis füttert seit etwa 4 Jahren (15 Würfe) ein entsprechendes Präparat. Sie berichtet, daß die so versorgten Welpen im Schnitt 1-2 Tage früher anfingen zu laufen und insgesamt "straffer aufgebaut" seien. Aber auch die "Rentner" unter ihren Hunden, die z.T. schon an Gelenkproblemen litten, seien mobiler und bewegungsfreudiger geworden.
Glykosaminoglykane können
aus natürlichen Quellen (z.B. Extrakt der neuseeländischen grünlippigen Zuchtmuschel
Perna canaliculus, Rindertracheenknorpel) gewonnen oder nativ eingesetzt werden.
Insbesondere Perna canaliculus-Präparate werden inzwischen von vielen Herstellern
angeboten. Sie sind über Tierärzte zu beziehen, aber auch fast jedes Zoogeschäft führt
sie. Entscheidend ist allerdings nicht der absolute Gehalt an Muschelextrakt, sondern die
Qualität. Denn abhängig von Standortbedingungen, ihrem Reproduktionszyklus und ihrem
Alter weisen die Muscheln unterschiedliche Zusammensetzungen in ihrer Hämolymphe auf.
Zudem kommt es auch auf ihre Auswahl an und wie sie verarbeitet und aufgeschlossen werden,
damit die Wirkstoffe vom Hund aufgenommen werden können (Bioverfügbarkeit). Fragen Sie
Ihren Tierarzt. Mir wurden z.B. folgende Präparate empfohlen: "DOGOSAN" von
aristavet und "Canosan" von Boehringer. "DOGOSAN" enthält daneben
noch einen glukosaminhaltigen Rohstoff, der dem Hund eine forcierte Eigensynthese von
GAGs ermöglicht.
Die Rohstoffe (Perna
canaliculus, Rindertracheen) sind gut verträglich und können ohne Bedenken auch in
größeren Mengen aufgenommen werden.
Allerdings sind auch
Präparate im Handel, die daneben Vitamine und Mineralstoffe enthalten. Bei ihnen ist
Vorsicht geboten, da eine Überversorgung mit Calcium oder Phosphor und/oder eine
Unausgewogenheit dieser Mineralstoffe zur Schädigung des Skeletts und des Gelenkknorpels
führen kann, insbesondere bei gleichzeitiger Überversorgung mit Vitaminen der D-Gruppe.
Die Wissenschaft ist sich
darüber einig, daß Sie mit guten GAG-Präparaten dazu beitragen können, daß Ihr Hund
bis ins hohe Alter lebhaft und bewegungsfreudig bleibt.
Heike Haase
(aus wuff 2/99)