Liebe Leser!
Diesmal habe ich mich wieder auf dem Büchermarkt umgeschaut und habe schöne Sachen
gefunden. Im Gollwitzer Verlag ist ein neuer Aldington erschienen. Aus dem Nachlass dieses
Autors, dem wir schon mehrer Werke verdanken, z.B. "Von der Seele des Hundes",
wurde ein allgemeiner Ratgeber zu Auswahl, Haltung und Erziehung des Hundes
zusammengestellt.
Eric H. W. Aldington
Mach mehr aus deinem Hund
Vorwort Dorit Urd Feddersen-Petersen
ISBN 3-923555-11-3, (59,80 DM)
Es ist ein sehr schönes und wertvolles Buch geworden. In konzentrierter Form wird ungeheuer viel Wissen vermittelt. Auch sind zur Verdeutlichung etliche Fotosequenzen eingefügt. Allerdings liegt, wie bei jedem Aldington, der Schwerpunkt auf dem Text. Aber der ist für jeden leicht verständlich und kurzweilig gehalten.Insgesamt ist dieses Buch rundum empfehlenswert und hilft sicher, manches Problem gar nicht erst entstehen zu lassen. Denken wir nur an die Hunde, die wegen massiver Probleme weitervermittelt werden müssen. Sehen wir einmal von schlimmen züchterischen Auswüchsen in wahren Zuchtfabriken ab, gibt es den gefährlichen "Kampfhund" oder den gutmütigen "Kinderhund" gar nicht. Es gibt nur gut und schlecht aufgezogene, fürsorglich oder mangelhaft sozialisierte und schließlich mit Hundeverstand geführte oder aus Unwissen fehlerhaft erzogene Hunde. Doch dem kann man abhelfen und da helfen solche Bücher.
Dieses Thema brachte mich zu der Frage, mit welcher Erwartungshaltung potentielle Kaufinteressenten eigentlich zu der Rasse der Kromfohrländer kommen. Wie werden unsere Hunde in der einschlägigen Literatur dargestellt?
Wir selbst suchten uns den Kromfohrländer nach der Beschreibung von Eva-Maria Krämer im Großen Kosmos Hundeführer (49,80 DM) aus.
Dort steht folgender Text, der uns sehr zusagte:
Kromfohrländer gibt es nur aus kleinen Liebhaberzuchten, wo die Welpen in enger Gemeinschaft mit dem Menschen aufwachsen. Sie sind deshalb aufgeschlossene, menschenbezogene, anhängliche Familienhunde. Sie neigen weder zum Streunen noch zum Wildern und lieben ausgedehnte Spaziergänge, nehmen es aber nicht übel, wenn mal einer ausfällt.
Die bis ins hohe Alter verspielten Hunde lassen sich leicht erziehen und beschäftigen. Sie eignen sich gleichermaßen für alleinstehende Stadtmenschen wie lebhafte Familien auf dem Lande, wenn sie nur ständig mit ihren Menschen zusammen sein dürfen. Kromfohrländer sind gesellig und gut zu mehreren zu halten. Die wachsamen Kerlchen sind nicht bissig, können jedoch im Ernstfall die Zähne blitzen lassen. Die Fellpflege ist einfach.
In den acht Jahren, die wir nun auf den Kromfohrländer gekommen sind, hat sich das zwar bestätigt, noch treffender beschrieben fand ich unsere Hunde aber in einem ganz neuen Buch "Charakterhunde" von Katharina von der Leyen, erschienen in der BLV Verlagsgesellschaft mbH München als Lizenzausgabe der Bertelsmann Club GmbH und anderer Buchgemeinschaften (29,80 DM).
Schon in der Einführung zum Thema Hundehaltung nennt die Autorin die Sonnen- und Schattenseiten einer langjährigen Mensch-Hund-Beziehung ungeheuer treffend beim Namen. Immer spricht sie mit großem Sachverstand und Liebe zum Hund. 140 Rassehunde werden vorgestellt und unsere Rasse portraitiert sie so:
"Der Kromfohrländer ist eine relativ junge Rasse, die in den fünfziger Jahren in Deutschland als Zufallsprodukt entstand und danach als Familienhund gezüchtet wurde. Er ist ein hochintelligenter, fröhlicher, lebhafter und anpassungsfähiger Begleithund, der dazu neigt, ein Ein-Mann-Hund zu sein, obwohl er den Rest seiner Familie schätzt - er wird ihnen nur nicht unbedingt gehorchen. Als Kinderhund ist er nur bedingt geeignet: Der Kromfohrländer läßt sich nicht alles gefallen und paßt daher besser zu Kindern, die schon gelernt haben, Hunde zu respektieren. Für die ist der aktive, verspielte Hund dann allerdings ein wundervoller Spielkamerad, immer bereit für Abenteuer und wilde Spiele. Er ist ein guter Wächter mit hervorragendem Gehör und bellt gerne. Fremden gegenüber ist er mißtrauisch, läßt sich aber schließlich überzeugen. Der Kromfohrländer möchte viel laufen und muß unbedingt vom Welpenalter an gut sozialisiert und konsequent erzogen werden. Er ist hochintelligent und lernt ausgesprochen schnell - Manieren und Kunststücke genauso, wie er die Schwächen seines Herrn sofort erkennt. Einmal vom Tisch gefüttert, wird er das Betteln bei Lebzeiten nicht mehr aufgeben.
Er ist ein hervorragender Agility Hund mit einem guten Sinn für Humor, der am besten zu aktiven, konsequenten Menschen paßt, die seinen Witz zu würdigen wissen - und denen er so schnell nichts übelnimmt".
In einer Punkteskala von 1-10 gibt die Autorin dem Kromfohrländer für Fellpflege 3 Punkte, für benötigten Auslauf 6 Punkte und für die Eignung in einer Stadtwohnung 10 Punkte.
Als letzten Autor möchte ich noch kurz Ulrich Klever: "Knaurs Großes Hundebuch" (58.- DM) anführen, der dem Kromfohrländer auch eine umfangreiche Beschreibung widmet. Neben einer ausführlichen Beschreibung der hinlänglich bekannten Entstehungsgeschichte unserer Rasse, schreibt Klever folgendes:
Seine Stammeltern sind Drahthaarfox und Bretonischer Griffon. Von beiden Elternrassen übernahm er seine bemerkenswerten Wesensarten, das Temperament, die Lauffreudigkeit und den Charakter.
Er ist sehr wachsam und Fremden gegenüber eher zurückhaltend. Er läßt sich gut in kleinen Wohnungen halten, unter anderem weil er besonders sauber ist. Eine Eigenart ist das sich "selbst reinigende Fell".Die Haarstruktur löst den Schmutz ab.
Die angegebene Lebenserwartung von 16 bis 18Jahren, die immer noch in der Literatur angegeben wird, dürften allerdings, außer einigen begnadeten Methusalems, unsere Hunde nicht mehr erreichen.Bei anderen Rassen und auch bei Mischlingen sieht das übrigens nicht anders aus.
Bemerkenswert ist bei Klever, daß er den Kromfohrländer auch den Seniorenhunden zuordnet, allerdings müßten diese Senioren noch gut zu Fuß sein.
Inga Becker
(aus wuff 1/99)