Liebe Leser!
In dieser Ausgabe möchte ich an den Artikel von Frau Schmid über die Ernährung
anknüpfen. Ich war sehr glücklich über diesen Beitrag, muss man doch manchmal einen
extremen Standpunkt einnehmen, um überhaupt etwas zu bewegen.
Auch nach meiner Erfahrung und nach meiner Überzeugung, kann es nicht gut für den Hund
sein, ausschließlich mit Fertigfuttermitteln ernährt zu werden. Der Organismus
der
Hundeartigen (Caniden) hat sich in vielen Tausend Jahren Entwicklungsgeschichte auf ein
bestimmtes Nahrungsangebot eingestellt, Beutetiere und pflanzliche Nahrungsanteile
wechselnder Zusammensetzung. Als Jäger waren diese Tiere in der Lage auch mehrere Tage
ohne Beute schadlos zu überstehen. Und nun müssen auf einmal, nach Aussage massiver
Werbung, jeden Tag alle Inhaltsstoffe in immer gleicher Zusammensetzung zur Verfügung
stehen, sonst kann sich kein gesunder Organismus entwickeln. Wer kann guten Gewissens von
seiner eigenen Ernährung behaupten, dass sie diesen Anspruch erfüllt?
Sind wir doch mal ehrlich, die Werbung setzt an einer menschlichen Schwachstelle an,
nämlich der Bequemlichkeit. Aus der Tüte in den Napf und fertig.Und dann bekommen wir
eingehämmert, natürlich immer wissenschaftlich belegt, wir täten ja nur das
Beste und Sicherste für unseren Hund eine geniale Strategie! Bei der Ernährung
unserer eigenen Kinder schaffte es die Industrie schon einmal, eine ganze Generation von
jungen Müttern soweit zu verunsichern, dass nur noch sehr wenige Babies gestillt wurden.
In den Entwicklungsländern führte die Flaschenernährung wegen der schlechteren Hygiene
sogar zu Krankheiten. Davon ist man in der Zwischenzeit Gott sei Dank wieder abgerückt,
und Stillen ist wieder als das Beste fürs Baby anerkannt. Dafür werden jetzt für
Kindergartenkinder einfache Spagetti mit Tomatensauce im teuren Gläschen und für
Schulkinder Cracker mit Salami in Plastikschalen als Lunchables angepriesen
und verkauft. Auch gibt die moderne Mutter ihren Sprösslingen die unbestritten gesunde
Milch nicht mehr aus der Tasse sondern angereichert mit furchtbar viel Fett und Zucker in
Form von Fruchtzwergen, Milchschnitten, Kinderschokolade etc.... und die Kids strahlen sie
in der Werbung dafür an. Verzeihen sie mir diesen Ausflug, aber der Mechanismus ist immer
der gleiche.
Auch die endlos vielen Futterzusätze sind mit Vorsicht zu betrachten. Im Einzelfall
können sie ja hilfreich sein aber durch zuviel wird der Hund eben nicht noch schöner
oder noch leistungsfähiger. Und durch noch mehr verschiedene Snacks (z.B. künstliche
hot-dogs und hamburger - igitt igitt) wird der Hund eben nicht noch glücklicher, sondern
nur noch dicker. Wir sind ständig in Gefahr, vor lauter guter Absicht, den Stoffwechsel
gründlich aus dem Gleichgewicht zu bringen und den Hund letztendlich wirklich krank zu
machen. Unsere Hunde werden heute zwar älter als noch vor 50 Jahren, dank besserer
medizinischer Versorgung und Impfungen, gesünder sind sie aber nicht. In wuff III/96
berichtete ich von einer Untersuchung von Frau Dr. Helga Eichelberg. Sie kommt darin zu
dem Schluss, dass unsere Hunde zunehmend auf den Mensch kommen und den Preis
der Zivilisationskrankheiten bezahlen, genau wie ihre Besitzer.
Doch was ist nun das Richtige? Trockenfutter, Dosenfutter, Selbstgekochtes, rohes Fleisch,
gekochtes Fleisch.... Fragen über Fragen! Wahrscheinlich hat wie immer jeder ein bisschen
recht. Vertrauen Sie Ihrem gesunden Menschenverstand und finden auch Sie Ihren Mittelweg.
Auch ich beziehe für meine Hunde von einem großen Versandunternehmen regelmäßig
Fertigfutter und Hundeflocken zum Mischen mit Fleisch. Im Prospekt dieses Herstellers wird
übrigens ausdrücklich betont, dass ein täglicher Anteil von mindestens 10% Frischkost
(z.B. Gemüse und Obst) für den Hund wichtig sei! Auf Dosen verzichte ich ganz, aber
sonst fressen meine Hunde fast alles, ab und zu mit Wonne auch rohes Rindfleisch (niemals
Schwein oder Huhn roh füttern!). Außer Kohl, Rettich oder Zwiebeln akzeptieren meine
Hunde jedes Gemüse im Futter. Ebenso ihren täglichen kleinen Anteil Fertigfutter, damit
sie es eben gewohnt sind, wenn es denn einmal solo gefüttert werden muss.
Das Kochen für den Hund ist wirklich nicht schwer und schon gar nicht gefährlich, lassen
Sie sich nicht von der Werbung verunsichern. Sie brauchen ja auch nicht selbst mit der
Nährwerttabelle hantieren, das haben Ihnen schon andere Leute abgenommen und Rezepte
erarbeitet. Und damit Sie gleich einige Anregungen bekommen, hier zwei Buchvorschläge mit
erprobten und mit fundiertem Wissen geschriebenen Rezepten. Da die kulinarischen
Ansprüche des Hundes schnell zu befriedigen sind, werden Hundekochbücher immer mit
Cartoons oder kleinen Geschichten aufgelockert und gefüllt. Das macht sie gleichzeitig
zur netten Lektüre.
Schon einmal im wuff vorgestellt wurde:
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Kynos Hundekochbuch Linda Stein Kynos Verlag Rezepte und Cartoons ISBN: 3924008965, 14,50 EUR wuiff 1/2000, Seite 24 |
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Die schnelle feine
Hundeküche (Rezepte, Cartoons, lustige und informative Geschichten) Dr. Edgar v. Cramm und Eva Bauersfeld Weltbild-Verlag (möglicherweise nur über die Weltbild-Ladenkette oder über Versand zu erhalten) wuff 1/2000, Seite 25 |
Und ganz neu, mit einem Kromi auf dem
Titelblatt: Die schnelle feine Hundeküche, von Dr. Edgar v. Cramm und Eva Bauersfeld.
(Rezepte, Cartoons, lustige und informative Geschichten)
Beide Bücher sind zum Hausgebrauch empfehlenswert, aber auch ideale Geschenke für
Hundefreunde. Die Rezepte sind wirklich leicht nachzukochen und, besonders im zweiten
Buch, ernährungsphysiologisch durchdacht. Also keine Angst, Sie machen damit nichts
falsch!
Und wenn es schnell gehen soll, oder im Urlaub, gibt es eben auch mal Fertigfutter.
Viel Spaß und Guten Appetit für Ihren Hund!
Inga Becker
| (aus wuff 1/2000) |
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