Literatur für Hundefreunde

Vom Autor des Bestsellers “Die Suppe lügt” liegt nun druckfrisch dieses Buch zum Thema industriell hergestellte Tiernahrung vor. Wie brisant die Thematik ist zeigt schon, dass von Seiten der Dosen-Multis mittels einstweiliger Verfügung versucht wurde, die Auslieferung zu verhindern.

In 12 Kapiteln geht Grimm den Produktionsverfahren großer Hersteller unter Nennung von Namen und Produkten auf den Grund und benennt dabei unliebsame Fakten, die eigentlich allgemein bekannt sind. Tierfutter ist Vertrauenssache. Entsprechend bemüht sich die Werbung darum, dies bei Herrchen und Frauchen herzustellen. Schließlich kaufen die Menschen und nicht die Tiere ein. Und beim Ganzen geht es natürlich nicht in erster Linie um die Tiere, sondern um den Profit. Im Tierfutter befinden sich die Dinge, die nicht für die Herstellung von “Menschenfutter” zugelassen sind. Manchmal aber auch anderes, das überhaupt nicht gefressen werden sollte. . .

Zehn Seiten Literaturangaben machen deutlich, das es sich bei den Ausführungen, die übrigens locker und leicht ironisch geschrieben sind, nicht um haltlose Behauptungen handelt, sondern um nachgewiesene Fakten. Kapitel 13 bietet die Alternative: Herrchen und Frauchen sollten wieder mehr Mut zur Eigeninitiative haben, weil “es eigentlich gar nicht schlimm ist, wenn die Tiere den Abfall kriegen. Das war auch schon früher so. Doch früher war es eine Abfallverwertung der kurzen Wege.” Oder, wem das zu drastisch ist: “Viele Tierhalter neigen daher zu pragmatischen Lösungen. Ein bisschen Rohfutter. Klassiker wie Knochen. Vergessenes wie Pansen. Manchmal auch kochen. Und mitunter das, was übrig bleibt vom Mahl der Menschen. Und dann und wann mal Fertigfutter, von der besseren Sorte.”

Rinti wird sicher nicht dagegen klagen, als einziges in diese Kategorie zu fallen.

Eleonore von Westarp


Katzen würden Mäuse kaufen
Schwarzbuch Tierfutter

von Hans-Ulrich Grimm
Deuticke im Zsolnay,
ISBN:
978-355 2060 494,
17,90 €

 

Der Untertitel des Buches sagt mehr als der seinerzeit - ich habe die 3. Auflage in Händen - richtungsweisende Titel: Gesunde Hunde durch genetisches Management. Populationsgenetik für Hundezüchter und andere Kynologen. Hundezucht nach genetischen Erkenntnissen. Der Weg zu erbgesunden Hunderassen. Das Verhängnis der genetisch bedingten Krankheiten. Auf 260 Seiten, mit 30 Abbildungen und vielen (allerdings recht flauen) SW-Fotos beleuchtet das sehr zu empfehlende Werk immer wieder aus verschiedenen Blickwinkeln die Ursache des Problems der Erbkrankheiten, die bei mehr oder weniger allen Hunderassen auftreten: die genetische Verarmung und damit die statistische (und reale) Häufung von Defektgenträgern in den Zuchtpopulationen. Inzucht, Linienzucht und Championzucht werden auf eine Stufe mit der Qualzucht gestellt, was sich hart anhört, aber seine Berechtigung hat.

Die zahlreichen Zitate aus immer noch gängigen Hundezuchtbüchern beweisen aber auch, dass es den Züchtern früherer Generationen kaum möglich war, anders als in der Literatur empfohlen zu verfahren, weil In- und Linienzucht immer wieder empfohlen wurden und anfangs ja auch äußerlich positive Ergebnisse brachten, wohingegen die Erkenntnisse der Populationsgenetik noch recht neuen Ursprungs sind. So versteht sich der Aufruf des Autors zu Auszucht innerhalb der Rassen und, wo nötig, mittels Einkreuzung und Rückzüchtung als etwas, das die heute aktiven Züchter berücksichtigen sollten und müssten oder, mit seinen Worten: “Mit all dem hoffe ich, genügend Stoff zum Nachdenken zu liefern.”

Bezogen auf die Kromis lässt sich zusammenfassen, dass wir (trotz aller bekannten Probleme) noch verhältnismäßig gut dastehen, denn vieles, das empfohlen wird, ist bei uns schon lange Realität: Zucht nicht nur mit Ausstellungschampions (Körung), Begrenzung der Deckakte je Rüde, Paarungen nur mit in drei Generationen nicht verwandten Hunden, computergestützte Zuchtplanung (inkl. diverser rechnerischer Werte und Koeffizienten) - all dies unter dem Oberbegriff der Nutzung der genetischen Vielfalt und Reserven innerhalb der Rasse. Zusätzlich wird vorgeschlagen, Hunde mit guten genetischen Werten auch dann zur Zucht zuzulassen, wenn sie nicht ganz standardgemäß sind - ein Gedanke, der in der Mitgliederversammlung ja auch zur Sprache kam.

Wer schließlich wissen möchte, welche Effekte bei der Auszucht mittels Einkreuzung zu erwarten sind, bekommt viele Informationen und einige illustrierende Beispiele, wobei der “Mischling” jedoch nie als das “non plus ultra” dargestellt wird, sondern die Priorität auf der Rassehundezucht bleibt. Beeindruckend (und in der Argumentation folgerichtig) schließt das Buch mit einem Plädoyer für den genetisch vielfältigen “Biohund”, analog zum Wandel, der sich in den letzten Jahren hinsichtlich der Ernährung vollzogen hat: “Wenn die Öffentlichkeit darüber informiert wird, was in Wahrheit die Maßstäbe für einen wertvollen Hund sind, wird auch ein Markt dafür entstehen.”

Eleonore von Westarp


Hundezucht 2000
Gesunde Hunde durch genetisches Management
von Helmut Wachtel
Kynos-Verlag,
ISBN:
978-3-938071,
32,80 €

 


(aus wuff 2/2007)

 

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13.01.2007