(aus wuff 2/2002)

Haare und Kletten – gefährliche Mischung

von Heike Haase

Wenn man im Herbst mit den Kromis durch Wald, Feld, Flur und Gebüsch streift, kann man nachher botanische Studien an ihnen betreiben: Odermennig, Hexenkraut, Klettenlabkraut, Klette, Wilde Möhre... alles, was Stacheln, Borsten oder Haken hat, findet sich im Fell wieder. Das betrifft vor allem die Kromis mit dem längeren Rauhaar, aber auch die im standardgemäßen Haarkleid können ganz schön einsammeln.
Cindy vom Telgoth - mit Kletten übersätAber Vorsicht, das kann gefährlich werden. Ich berichte von einem Vorfall mit Cindy: Nach einer ausgiebigen Wanderung ein bisschen außerhalb unseres Wohnbereichs war sie mal wieder ziemlich grün von allerlei Haftendem, und ich hatte wieder mal keinen Kamm dabei. Alles mit den Fingern auszuzupfen schien mir zu mühsam, daher wollte ich erst einmal heimfahren, um sie dann in Ruhe zu Hause von allem zu befreien. Auf der Heimfahrt auf dem Rücksitz hat sie dann selbst schon mal damit begonnen, die störenden Objekte zu beseitigen, ich dachte mir jedoch nichts dabei. Zu Hause angekommen, hatte ich auch erst einmal anderes zu tun, bevor ich ihr die letzten Kletten herauskämmte.
Am Abend zeigte sie deutliches Unwohlsein und sie wollte nichts fressen. Nachts fing sie an zu würgen, immer wieder, aber erfolglos. Ab und zu kam lediglich ein bisschen Schleim, zunehmend mit Blutbeimischungen. Den halben Vormittag ging die Würgerei weiter, sie quälte sich entsetzlich. Schließlich brachte sie mühsam einen großen, total verfilzten Ball aus Haaren und diversen borstigen Samen (vor allem Odermennig) hervor. 
Die Ursache liegt darin, dass der Hund die Kletten, die er sich -mit daran haftenden Haaren- aus dem Fell zupft, nicht vernünftig ausspucken kann und sie herunterschluckt. Durch die Peristaltik des Magens verfilzt und verbackt das Ganze zu einem harten Klumpen. Der kann unter Umständen so groß sein, dass er selbst nach Injektion eines Brechmittels – eine für den Hund sehr quälende und nicht ungefährliche Prozedur, da es sehr genau dosiert werden muss - nicht erbrochen werden kann und herausoperiert werden muss. Ist der Klumpen dagegen kleiner, kann er unbemerkt in den Dünndarm wandern und einen Darmverschluss bewirken –
AKUTE LEBENSGEFAHR!!! Unsere Tierärztin kann da Horrorgeschichten erzählen.
Seitdem habe ich IMMER einen kleinen Kamm in der Tasche. Was sich im Fell meiner Hunde verfängt, kämme ich sofort heraus, spätestens aber bevor sie Gelegenheit bekommen, sich in Ruhe ihrer Körperpflege zu widmen. 

Heike Haase

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