![]() (aus wuff 2/2002) |
„KS“ - sind auch Sie befallen? von Angelika Dunker |
| „KS“ breitet sich immer mehr aus. Niemand ist davor sicher. Es kann jeden treffen. Weder Alter noch Jugend schützen davor. Weder Bildung noch Einkommen bieten Sicherheit. Es trifft einen ganz unvorbereitet. Der Übertragungsweg ist vielfältig. Es kann sowohl durch Blickkontakt, Körperkontakt, aber auch nur durch pures Hören übertragen werden. Es schleicht sich ins Unterbewusstsein, schlummert dort vielleicht unbestimmte Zeit, um dann völlig unerwartet, aber mit aller Macht, auszubrechen. Plötzlich hat es Besitz von einem ergriffen und es lässt einen nicht mehr los. Hat es einen einmal erwischt, ist es völlig sinnlos sich dagegen wehren zu wollen. Die meisten leiden darunter für den Rest ihres Lebens. Müssen wir uns jetzt fürchten? Dürfen wir das Haus nicht mehr verlassen? MUSS ich mein Leben umkrempeln? „KS“ - eine neue Geißel der Gesellschaft?! MUSS man sich davor schützen? Wovor überhaupt? Was ist eigentlich „KS“? „KS“ - das Kromfohrländer-Syndrom! Kennen Sie das vielleicht auch? - Eigentlich finde ich Hunde ja ganz nett und könnte mir vorstellen, selber einen zu haben. Vielleicht sogar einen aus dem Tierheim. So einem armen Kerlchen wieder ein glückliches Zuhause geben. - Wäre doch toll, nicht wahr! Und dann passiert es: im Vorbeigehen hat man aus dem Augenwinkel auf einem Werbeplakat etwas „weiß-braunes“ gesehen. Oder war es vielleicht nicht doch im Fernsehen? Klar doch, in der „Aktuellen Stunde“, irgend so eine Wanderung. Man hat sich gar nicht richtig gemerkt, worum es überhaupt ging. Aber „weiß-braun“ ist hängengeblieben. Ja, und dann war da doch auch noch diese Serie mit dem Tierarzt; die eine Schauspielerin lief doch mit so was „weiß-braunem“ durch die Gegend.Stimmt doch gar nicht, es war letzte Woche beim Spaziergang durch den Park, da auf der Wiese flitzte doch etwas „weiß-braunes“ rum, oder? Völlig falsch, in der Zeitschrift beim Arzt, ging es doch um so eine „weiß-braune“ Rasse! Oder war es doch noch ganz wo anders? Eigentlich kann man sich gar nicht mehr richtig erinnern, wo und wann es angefangen hat. Plötzlich war „KS“, das Kromfohrländer-Syndrom, da und hat sich in unserem Inneren breit gemacht. Und irgendwann kommt dann der Zeitpunkt, dass „KS“ richtig aktiv wird. Man wird fast wie besessen. Zu den unpassendsten Zeitpunkten pirscht sich etwas „weiß-braunes“ durch unsere Gedanken. Man möchte mehr, Konkretes über diese „weiß-braunen“ erfahren. Aber wie stellt man das jetzt an? Bücherei, Hundebücher! Ein erster Schritt ist getan. Die Nachbarin hat doch einen Hund - vielleicht weiß die ja, wer diese „weiß-braunen“ sind! Hundeausstellungen! Ich könnte ja noch einmal in den Park gehen, vielleicht ist er ja wieder da. Und dann passierts, völlig unerwartet! Auf der Straße kommt mir einer entgegen! Glück gehabt! Und der dazugehörige Zweibeiner ist auch noch sehr freundlich und erzählt und erzählt und erzählt und ... Nach diesem Gespräch muss ich feststellen, dass das Kromfohrländer-Syndrom noch mehr Macht über mich erlangt. So einen will, muss ich haben. Es ist fast wie eine Sucht! Noch ahne ich nicht, welcher Leidensweg auf mich zukommt. Züchternachweis, Wanderungen, Wartelisten! Warten! Warten! Warten! Und immer wieder diese Ungewissheit - bin ich diesmal dabei? Eines Tages ist es dann tatsächlich so weit. Ich darf mir so einen „weiß-braunen“ aussuchen. Unbändige Vorfreude macht sich breit. Am liebsten würde ich beim Züchter einziehen, um ja keinen Entwicklungsschritt zu verpassen. Nach neun bis zehn Wochen ist es dann soweit, ich darf ihn mit nach Hause nehmen! Ich krempele mein Leben um. Nun sollte man meinen, dass Kromfohrländer-Syndrom würde sich verflüchtigen. Aber weit gefehlt! Es nimmt noch weiter zu. Dieser kleine Kerl schleicht sich nicht nur in meinen Alltag, sondern auch in mein Herz und macht sich dort breit, breit, breit! Hätte man jetzt noch einen Blick für seine Umwelt, würden einem vielleicht eigenartige Dinge auffallen. Nachbarn, die hinter unserem Rücken merkwürdige Zeichen machen, indem sie mit ihrer Hand vor ihrem Gesicht herumwedeln und dabei mitleidig hinter uns her blicken. Damen im Gespräch, die plötzlich anfangen zu tuscheln, wenn man an ihnen vorbei geht. Spitzt man die Ohren, kann man Brocken auffangen wie: „schlimmer als beim ersten Enkelkind!“ Aber uns stört das alles gar nicht. Wir sind glücklich! Allerdings sollte man sich selber gegenüber ein wenig kritisch bleiben. Sicherlich gehört das Kromfohrländer-Syndrom zu den aggressiven seiner Art, aber man sollte dennoch nicht den Blick für die restlichen Dinge des Lebens verlieren. Auch die besten und geduldigsten Freunde möchten nicht immer nur etwas über den Hund hören. Dafür gibt es schließlich Wanderungen und Treffen. Da sind alle so eigenartig, dass man schon nicht mehr auffällt. Da ist man endlich mal wieder normal! „KS“ - das Kromfohrländer-Syndrom - eine Geißel oder ein Zugewinn für unsere Gesellschaft? Angelika Dunker |
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