Die Pubertät des Hundes Cinderella von der Au

Von Marion Wisst

Eine gelungene Überschrift eines Artikels in einer Hundezeitschrift. Wie oft schon habe ich meinen Welpenkäufern diesen Artikel kopiert und zugeschickt. Tröstende Worte gesucht und hoffentlich gefunden, ohne momentan selbst betroffen zu sein. Bis zum Juli 2002. Aus unserem letzten Wurf im Januar 2001 ist eine Hündin bei uns geblieben. Ein toller Kromi, was sonst? Von der strengen Bilka immer rechtzeitig gebremst, sofort klargestellt, wer in unserem Hunderudel das Sagen hat. Treu, aufmerksam, verdächtig folgsam, mit viel Freude und Spaß für jede Erziehungsübung zu haben, total freundlich zu jedem Menschen und jedem anderen Hund. Ich sag es ja. Traumhaft. 

 Bis zum Juli 2002. Plötzlich fetzt neben mir beim Spaziergang ein fauchendes Etwas vorbei und verbellt einen armen, alten Cocker, der brav an der Leine mit seinem Frauchen vorbei trollt. Ich war so verblüfft, dass ich nur mit offenem Mund da stand und dachte: Das war nicht mein Hund! Er war es. Tröstende Worte meiner Hundebegleiterin, mit der ich seit 10 Jahren morgens zusammen die erste Runde drehe: „Das war sicher eine Ausnahme; vielleicht riecht der andere Hund eigenartig; komische Tante diese Hundeführerin“. Nein! Mein Hund spinnt!!
Also was tun? Nachdenken! Nachlesen!
Cinderella war 1 Jahr und 6 Monate alt. Aha. Ich denke die Pubertät ist früher? Aldington schreibt zu diesem Thema: Mit ca. 1½ Jahren pubertiert der Hund und entdeckt die Reviergrenzen. Ach so, deshalb wird neuerdings am Zaun gebellt. Ich lese auch: Ruhe bewahren! Vorausschauend Gassi gehen. Nicht hektisch, womöglich aus voraus eilender Angst den Hund anleinen, sondern Erziehungsübungen einbauen, die auch Spaß machen. Also Belohnung mit Leckerchen oder Spiel. Lob für alles was gut gelingt! Wieder aufmerksam Fuß gehen üben, um zuerst in unverfänglichen und später in stressigen Situationen meinen Hund möglichst ohne Leine an anderen vorbei führen zu können. Und wieder Ruhe, kein innerliches: Ach Gott, da kommt einer! Unsere Sensibelchen spüren dies sofort und nützen es schamlos aus.
Cinderella von der Au
Also ich fasse mich kurz. Wir leben. Cinderella ist jetzt knapp 4 Monate älter. Den besagten Cocker kann sie noch immer nicht leiden. O.k., hier muss sie an die Leine oder ich wechsle rechtzeitig die Richtung. Befreundete Hundebesitzer stellen ab und zu ihren Liebling als Testobjekt zur Verfügung (wobei sie alt bekannten Hunden nur so um den Bart geht). Somit kann ich Abrufen, Fußgehen, Abliegen und Warten üben. Sollte Cinderella trotzdem durchstarten, weiß ich zumindest, dass der andere Hund nichts macht. Inzwischen klappt auch das meiste wieder recht zuverlässig und wir können unseren Liebling sehr viel loben. 
Eigenartig ist nur, dass sie sehr wohl unterscheidet zwischen Kromfohrländern, egal ob einer oder sechzig, denn hier benimmt man sich vom Feinsten, oder eben Rassefremden. Wie war das? Ein Kromibesitzer hat einmal zu mir gesagt, unsere Hunde sind Rassisten. Mir scheint, da ist was dran.

Egal - ich gebe für alle Betroffenen mit einem pubertierenden Hund die Parole aus: Durchhalten, nicht verzweifeln, einfach weiter üben und möglichst viele positive Situationen herbeiführen, damit wir unsere kleinen Monster auch tüchtig loben können, denn bis jetzt scheint es bei uns zu klappen.
In diesem Sinne Ihre
Marion Wisst

  (aus wuff 4/2002)

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