Der Turnierhundesport
 
von Diana Manwire


2000 m / 5000 m Geländelauf
Vierkampf (VK1 / VK2)
Hindernislauf
CSC (Combination Speed Cup)
Shorty
QSC (Qualifications-Speed-Cup)

oder „Fit und gesund durch Sport mit dem Hund“

Was ist eigentlich Turnierhundesport (THS)? Etwa so etwas wie Agility?

Seinen Anfang nahm der THS vor 30 Jahren, als im Rahmen einer Leistungsprüfung im Schutzhundesport der erste Wettkampf im Turnierhundesport statt fand, damals noch unter dem Titel „1. Freizeit-Turnier für Hunde aller Größen“.
Heute enthält ein Turnier die Disziplinen 2000 m und 5000 m Geländelauf, den Vierkampf, den Hindernislauf und die Mannschaftswettkämpfe Combination-Speed-Cup und Shorty, sowie seit diesem Jahr den Qualifications-Speed-Cup.


Absolute Harmonie zwischen Herrchen und Hund: Heinz Eschbaum, 
Deutscher Meister A61 mit Joselle von der Holderheide

Anders als beim mittlerweile recht bekannten Agility, müssen beim THS nicht nur Hindernisse bewältigt werden, sondern es wird auch der „Gehorsam geprüft“.

Da im THS vieles von der Kondition und Sprintschnelligkeit des Frauchens oder Herrchens abhängt, wird beim Geländelauf und Vierkampf in unterschiedlichen Altersklassen gestartet. Die Altersklassen beziehen sich auf das Alter des Menschen und nicht auf das des Hundes. Meiner Meinung nach ist dieses System berechtigt, schließlich wird ein zweijähriger Hund auf einer kurzen Sprintstrecke nicht wesentlich langsamer sein als ein etwas betagter gesunder Artgenosse, ein Kind wird auf der gleichen Stecke gegen einen Erwachsenen wohl kaum eine faire Chance haben.
Damit also diese Sportart für Leute jeden Alters attraktiv ist, werden die Altersklassen wie folgt aufgeteilt:


Altersklassen:
10 11 15 19 30 41 51 61
bis 10 Jahre 11-14 Jahre 15-18 Jahre 19-29 Jahre 30-40 Jahre 41-50 Jahre 51-60 Jahre ab 61 Jahre
Jede Altersklasse wird zusätzlich noch in männlich (m) und weiblich (w) unterteilt. 
Ein Turniertag beginnt am frühen Morgen mit den Formalitäten wie Anmelden und Kontrolle der Tollwutimpfung. Hat man seine Startnummer ergattert und ist der offizielle Wertungsrichter eingetroffen, geht es üblicherweise gegen 8.00 Uhr zum Start der Geländeläufe. 

2000 m / 5000 m Geländelauf

Hier muss Frauchen oder Herrchen zusammen mit dem Vierbeiner eine 2000 m oder 5000 m lange Strecke joggen. Idealerweise verläuft die Strecke über Wald- oder Feldwege. Der Hund ist beim Laufen angeleint, wobei die Leine entweder in der Hand gehalten werden kann oder an einem Bauchgurt befestigt wird. Die einzelnen Mensch/Hund-Teams starten hintereinander und gehen mit ca. einer Minute Abstand auf die Strecke.
Je nachdem wie ambitioniert der einzelne Hundesportler ist, kann diese Disziplin als gemütliche Joggingrunde am frühen Morgen oder als Sprint angegangen werden. Im Allgemeinen schenken sich die einzelnen Hund/Mensch-Teams jedoch keine Sekunde. Der Wertungsrichter stoppt die für die Strecke benötigte Zeit, die nach einem festgelegten System in Punkte umgerechnet wird.
Sieger in dieser Disziplin ist das Hund/Mensch-Team, das die festgelegte Stecke am schnellsten zurückgelegt hat. Natürlich wird für jede Altersklasse und für jedes Geschlecht der Sieger getrennt ermittelt. Es wird wohl kaum jemanden wundern, dass ein 20 Jahre alter Mann zwei Kilometer in einer kürzeren Zeit zurücklegt, als z.B. eine 65jährige Frau.

Nachdem der letzte Geländeläufer das Ziel erreicht hat, wird mit der „Königsdisziplin“ des THS, dem Vierkampf begonnen.
Vierkampf (VK1 / VK2)

Der Vierkampf hat seinen Namen von der Anzahl an „Aufgaben“ die bei dieser Disziplin erfüllt werden müssen. 
Dies sind: die Unterordnung, der Hürdenlauf, der Slalom und der Hindernislauf. 
Hier ist neben einem guten Gehorsam des Hundes, auch eine gewisse Schnelligkeit des Hundeführers, speziell aber die harmonische und fehlerfreie Zusammenarbeit beider gefragt. Ziel ist es, in den Aufgaben möglichst viele Punkte zu sammeln. Sieger ist derjenige, der in seiner Altersklasse in der Summe die meisten Punkte erlangt hat.

Begonnen wird im allgemeinen mit der so genannten „Unterordnung“.
Hundeführer und Hund befinden sich, bis auf den Wertungsrichter und einem Protokollführer, alleine auf dem Hundeplatz. Das Team zeigt unter den kritischen Augen des Richters ein genau festgelegtes „Laufschema“. Das Laufschema entspricht in etwa dem der Begleithundeprüfung. Grob gesagt, muss der Mensch mit seinem Hund zuerst angeleint, dann ohne Leine eine vorgegebene Strecke ablaufen. Dabei muss der Hund freudig bei Fuß mitgehen, darf sich nicht ablenken lassen und darf nicht vom Menschen abweichen. Danach muss der Hund ein ein möglichst perfektes Sitz und ein Platz (Hinlegen auf Kommando) zeigen, wobei er einmal abgeholt und einmal abgerufen wird.
Für Hunde, die dieses Laufschema bereits perfekt beherrschen, gibt es seit diesem Jahr die Möglichkeit in einer höheren Schwierigkeitsstufe anzutreten, dem VK2. 
Hier wird das Laufschema ausschließlich ohne Leine abgelaufen und zwischen der Sitz- und Platzübung muss der Hund ein „Steh“ ausführen, d.h. der Hund muss auf Kommando wie angewurzelt stehen bleiben, während der Hundeführer weitergeht.

Bei der Unterordnung können maximal 60 Punkte vom Wertungsrichter vergeben werden. Dinge wie „abdriften“ des Hundes beim Richtungswechsel oder zögerliches Ausführen z.B. des Sitz-Kommandos führen zu Punktabzug.
Hat man erst einmal die Unterordnung „in der Tasche“, kann man sich nun auf die „Spaß Aufgaben“ freuen. 

Nachdem alle Teilnehmer die Unterordnungen absolviert haben, wird der Hürdenlauf aufgebaut.

Einfacher Hürdenparcours für den Lauf im VK1

Hier sind Schnelligkeit und Koordination gefragt, denn eine 50 m lange Strecke muss gesprintet werden, wobei der Hund zusätzlich drei Hürden von 40 cm Höhe überspringen muss. Die Schwierigkeit bei dieser Disziplin ist, dass Hund und Hundesportler auf gleicher Höhe laufen sollen!
Sonst wird dies, ebenso wie das Abwerfen einer Stange, als Fehler gewertet, welcher in Form von Strafsekunden auf die Laufzeit aufgeschlagen wird.
Es werden zwei Durchgänge durchgeführt und die beiden Zeiten zusammengezählt.
Die benötigte Laufzeit wird dann wieder nach einem festgelegten System in Punkte umgerechnet. Wer sich im Hürdenlauf noch nicht so sicher fühlt, kann auch mit dem angeleinten Hund diese Übung durchführen. Zwar wird der Hund dann nicht vorprellen, diejenigen die jedoch die Hürden mit dem freilaufenden Hund ablaufen, erhalten wertvolle Bonus-Punkte.

Im anspruchsvolleren VK2 ist hingegen keine Leine mehr erlaubt. Hier gibt es einen 40 m langen Hinweg, auf dem drei Hürden aufgebaut sind und nach dem Umrunden einer Wendestange geht es auf den ebenfalls 40 m langen Rückweg, der drei weitere Hürden enthält. Anders als beim VK1, muss der Mensch ebenfalls über die Hürden springen. Zum Ausgleich gibt es hier nur einen Durchgang. Auch hier wird die Laufzeit in Punkte umgerechnet und für das Endergebnis gesammelt. 


Nach dem Hürdenlauf erfolgt der Slalomlauf.

Ähnlich wie beim Skifahren sind hier sieben Tore in einem Zick- Zack – Kurs aufgebaut. Frauchen bzw. Herrchen muss nun trotz hohen Lauftempos den Hund sicher durch den 75 m langen Slalomkurs lenken. Um Strafpunkte zu vermeiden, dürfen weder Hund noch Hundeführer eines der Tore auslassen. 

  Slalomparcours

Bei dieser Übung darf man ebenso wie bei dem Hürdenlauf VK1 den Hund an der Leine führen, freilaufend erhält man jedoch wichtige Bonuspunkte. 
Auch hier werden zwei Durchgänge ausgeführt und wie oben beschrieben in ein Punkteergebnis umgerechnet. Hat man sich entschieden, im VK2 zu starten, ist die Leine bei dieser Übung von vornherein Tabu.

Als letzte Übung des Vierkampfes wird der Hindernislauf hergerichtet.

Auf einer 75 m langen Strecke sind acht Hindernisse aufgebaut, die vom Hund überwunden werden müssen, während der Mensch parallel zur Hindernisbahn mitläuft.

Die Abfolge und Art der einzelnen Hindernisse ist im Gegensatz zum Agility immer gleich und es kann nur der Streckenverlauf (gerade Strecke oder mit einem „Knick“) variiert werden.
Wie man sich denken kann, macht diese Hindernisbahn unseren Kromis besonders viel Spaß und man muss sich schon ein wenig anstrengen, wenn man das Tempo der Hunde mithalten will. Schließlich gilt immer die Laufzeit desjenigen, der zuletzt durchs Ziel läuft, ob Mensch oder Hund.
Lässt der Hund ein Hindernis aus oder fällt eine Stange, werden diese „Fehler“ - wie bei den anderen Disziplinen auch - als Strafsekunden zur Laufzeit hinzugerechnet. Auch hier werden zwei Durchgänge gelaufen, deren Zeiten addiert und in Punkte umgerechnet werden.
Diese Übung ist für VK1 und VK2 Starter gleich.



Am Ende des Vierkampfes werden die in den vier Übungen errungenen Punkte zusammen gezählt und das Hund/Mensch-Team mit der höchsten Punktzahl in seiner Altersklasse ist Sieger. Besonders stolz kann man sich als Tagessiegerin bzw. Tagessieger fühlen, diesen Titel erhält die- oder derjenige, der die höchste Punktzahl aller weiblichen bzw. aller männlichen Starter errungen hat.

Je nach Anzahl der Starter zieht sich der Vierkampf schon einmal bis in den frühen Nachmittag hinein.

Hindernislauf:

Außerhalb des Vierkampfes kann der Hindernislauf auch als Einzeldisziplin angemeldet werden. Er wird im Anschluss an den Vierkampf gestartet. Für viele ist dies die „Einstiegsübung“ in den Turnierhundesport.
Besonders für Kinder stellt diese Disziplin eine Möglichkeit dar, zum ersten Mal Wettkampfluft zu schnuppern. Denen macht es immer wieder großen Spaß und der Hund hat allemal seine Freude am Rennen und Springen.

Nachdem bis jetzt jeder für sich alleine um Punkte gekämpft hat, ist es am Nachmittag des Veranstaltungstages Zeit für die Mannschaftswettkämpfe. Sie sind beim Publikum besonders beliebt und vor allem bei überregionalen Wettkämpfen fiebert man mit seiner Vereinsmannschaft mit und versucht sie durch lautstarkes Unterstützen zum Sieg zu tragen.
CSC (Combination Speed Cup)

Jeweils drei Teilnehmer bilden eine Mannschaft, die mit drei verschiedenen Hunden einen in drei Sektionen eingeteilten Parcours als Staffel durchlaufen. Jedes Hund/Mensch-Team läuft eine Sektion und gibt nach Zieldurchlauf seiner Bahn den Start für den nächsten Läufer frei. Es wird die Zeit vom Start des ersten Läufers bis zum Zieleinlauf des letzten Läufers gestoppt. Wie beim Vierkampf führt das Auslassen von Hindernissen, Vorprellen an den drei Hürden oder das Abwerfen von Stangen zu Fehlerpunkten, die als Strafsekunde zur Laufzeit hinzuaddiert werden.
Die Mannschaft, die am Ende die kürzeste Zeit für den Parcours benötigt hat, gewinnt den CSC.



Jugendmannschaften werden getrennt von den Erwachsenen gewertet und dürfen im Allgemeinen den Hund an der Leine führen.
Der CSC kann auch als Einzelwettkampf durchgeführt werden, hier werden alle 3 Sektionen des Parcours von nur einem Hund/Mensch–Team durchlaufen. Dies erfordert allerdings ein ganz schönes Maß an Kondition.

Shorty

Der Shorty ist ein Mannschaftswettkampf für zwei Hund/Mensch–Teams und kann als Kurzbahn CSC verstanden werden. Ähnlich dem CSC beginnt die Zeitmessung mit dem Start des ersten Läufers. Mit Durchlaufen des Zieltores seiner Sektion, gibt er den Start für den zweiten Läufer frei. Hat der zweite Läufer mit seinem Hund das Zieltor seiner Sektion durchlaufen, wird die Zeit angehalten. 
Fehler werden wie beim CSC als Strafsekunden zur Gesamtzeit addiert.


Neu in die Turnierordnung auf genommen ist der QSC (Qualifications-Speed-Cup).

Er ist ein Einzelwettkampf, bei dem zwei baugleiche Geräteparcours parallel aufgebaut werden.

Zwei Hund/Mensch-Teams treten gegeneinander im direkten Vergleich an. Die Hunde starten von einem Tisch aus und gehen auf ein Startkommando hin über acht Hindernisse, wobei der Hundeführer mitläuft. Im Gegensatz zu den anderen Disziplinen muss ein ausgelassenes Hindernis wiederholt werden. Das Siegerteam kommt eine Runde weiter.
Im K.O. – System wird der Gesamtsieger dieser Disziplin ermittelt.
Durch den direkten Vergleich der jeweiligen Starter ist dieser Wettkampf besonders spannend und reißt das Publikum immer wieder mit.

Parallelparcours

Die Turnierordnung legt fest, dass man mit ein und demselben Hund in maximal drei Disziplinen starten darf. Je nachdem, für welche Disziplinen man sich anmeldet (z. B. 5000 m Geländelauf, Vierkampf und CSC), ist man schon einmal den ganzen Tag über „im Einsatz“ und ein solcher Wettkampftag verlangt sowohl vom Hund als auch von Frauchen bzw. Herrchen eine gute Kondition und Konzentration.

Wie jeder Wettstreit so endet auch ein Turnierhundesportwettkampf mit einer Siegerehrung. 
Nicht selten ist hier auf den vorderen Plätzen ein Kromfohrländer zu finden. Denn neben seiner Freude am Springen und Rennen, kann der Kromi beim THS auch seine Gelehrigkeit im Gehorsam zeigen. Anders als beim Agility, wird beim THS die Größe des Hundes nicht extra berücksichtigt, so dass unsere Kromis direkt gegen „große“ Rassen wie dem Schäferhund oder Hovawart antreten. 
Seine Wendigkeit verschafft ihm in einigen Disziplinen einen Vorteil und durch seine Gelehrigkeit steht er den klassischen Schutzhundrassen auch in der „Unterordnung“ in Nichts nach. Das hat sich auch bei der diesjährigen Deutschen Meisterschaft gezeigt, wo alle drei im Vierkampf gestarteten Kromis den Deutschen Meistertitel errungen haben und die zwei im Geländelauf gemeldeten Kromfohrländer jeweils den Vizemeistertitel ergattern konnten. Welche Rasse kann schon eine solch erfolgreiche Bilanz aufweisen?
Für mich ist dies ein weiterer Beweis, dass der Kromfohrländer nicht nur ein idealer Hausgenosse, sondern auch ein ausgezeichneter Sportkamerad ist.

Diana Manwire

  (aus wuff 4/2002)

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