Wir beginnen mit unserem Bericht am 22.06.2003. Endlich war unsere Bonny (vom Mittleren Gottwill) läufig.
Um den richtigen Decktermin zu ermitteln, hatten wir uns entschiedenen, beim Tierarzt einen Bluttest durchführen zu lassen. Am 6. Tag der Läufigkeit (freitags) wurde die 1. Blutprobe entnommen und untersucht. Völlig überrascht waren wir dann, dass wir bereits am nächsten Tag zum Rüden sollten.
Samstags bei Charly vom Quellengrund in Hürth angekommen, oh Schreck, Bonny knurrte und bellte den Rüden an, sobald dieser sich ihr von hinten annäherte. An einen Deckakt war nicht zu denken, obwohl sich die beiden Hunde im Vorfeld bei einem ersten Besuch bestens verstanden hatten. Wir waren alle ziemlich verunsichert und verabredeten uns für den darauffolgenden Tag.
Sonntags waren die Aggressionen fast gänzlich beendet. Ein Besteigen wurde von Bonny jedoch weiterhin abgewehrt. Dennoch positiv gestimmt, wurde für montags ein erneutes Treffen vereinbart.
Und siehe da, ohne Probleme ließ sich Bonny nach etwa einer halben Stunde von Charly decken. Frohgelaunt und erleichtert verbrachten wir noch mehrere Stunden zusammen und Charly kümmerte sich liebevoll um Bonny.
Das Nachdecken am Dienstag fand schon 10 Minuten nach unserem erneuten Eintreffen statt und verlief vollkommen harmonisch.

Im Nachhinein war das Verhalten unserer Hündin an den ersten beiden Tagen völlig normal, weil der richtige Zeitpunkt noch nicht gekommen war.
Nun hieß es warten, ob die Belegung von Bonny tatsächlich geklappt hatte. Zunächst verhielt sich Bonny bei Spaziergängen wie immer - munter und lebhaft. Lediglich die Schlaf- und Ruhephasen zu Hause wurden länger.
Ab Mitte der 4. Woche verweigerte unsere Hündin dann von heute auf morgen ihr Fressen. Wie wir in Büchern gelesen hatten, ist dies für einige Tage relativ normal, weil zu dieser Zeit eine Hormonumstellung im Körper erfolgt. Die Anzeichen einer tatsächlichen Belegung mehrten sich, zumal Bonny auch einen hellen Schleim aus der Scheide absonderte, was das hauptsächliche Unterscheidungsmerkmal zu einer Scheinträchtigkeit ist. Trotzdem waren wir (ich glaube, das ist bei Erstzüchtern normal) besorgt, als Bonny auch noch am 5. Tag in Folge nicht normal fraß - lediglich Belohnungen nahm sie dankend und mit Hochgenuss an.
Wir entschlossen uns zu einem Tierarztbesuch, und da wir sowieso einen Ultraschall beim Tierarzt durchführen lassen wollten, war der Zeitpunkt günstig. Der Ultraschall ist eher ungenau gegenüber Röntgen, dafür aber unschädlich für die Hündin, und der Züchter kann sich darauf einstellen, was auf ihn zukommt; z.B. ist bei nur einem Welpen eine Kaiserschnittgeburt sehr wahrscheinlich (der Welpe im Mutterleib wird zu groß).
Bonny war kerngesund und beim Ultraschall konnte man drei Föten definitiv erkennen. Hurra! - Bonny war belegt und wir konnten die weiteren Vorbereitungen treffen (z.B. Wurfkiste und Freilaufgehege bauen).
Bonny wurde immer träger, je näher der Wurftermin rückte. Auch die Schlafphasen wurden immer länger, was aber auch an dem heißen Sommer gelegen haben mag. So fieberten wir alle dem Tag X entgegen, während uns unsere Hündin eigentlich gar nicht so sonderlich füllig vorkam.
Am 61. Tag der Trächtigkeit war Bonny unruhig, aber nichts passierte. Am Sonntag, dem 31.08.2003 (62. Tag), verhielt sich die werdende Mutter wieder ruhig. Langsam wurde es Zeit für die Geburt, auch wenn wir nur einen kleinen Wurf erwarteten, was eine längere Tragezeit wahrscheinlich machte. Montags fraß Bonny nichts, war unruhig, scharrte in der Wurfkiste und schlief viel.
Abends war es dann soweit. Bonny suchte ohne weitere Anzeichen die Wurfkiste auf. Sie drehte sich ein einige Male und um 19.30 Uhr kam der erste Welpe, 200 g, eine Hündin, zur Welt. Um 20.10 Uhr folgte ein Rüde, ebenfalls mit 200 g Gewicht. Bonny biß die Nabelschnur jedoch nicht durch, so dass wir diese mit den Fingernägeln abtrennen mussten.
Es folgte eine längere Pause.

Um 22.00 Uhr setzten erneut Wehen ein. Es folgte eine Hündin mit 268 g Gewicht. Der Geburtsvorgang dauerte gegenüber den beiden ersten Welpen unheimlich lange. Wegen der Größe hing der Welpe lange im Geburtskanal fest und kam fast leblos zur Welt. Bonny schaffte es nicht, die Fruchtblase zu öffnen und die Nabelschnur abzubeißen. Monika und ich waren gefordert, obwohl wir als Erstzüchter in dieser Situation ziemlich verunsichert waren (Theorie und Praxis sind doch recht unterschiedlich). Nachdem wir Bonny so gut wie möglich geholfen hatten, glaubten wir zunächst, der Welpe sei tot. Wir hielten den Welpen kopfüber (Fruchtwasser kam aus dem Mäulchen gelaufen) und rieben ihn trocken. Dann plötzlich ein Atemzug. Wir animierten Bonny: "Lecken Bonny, lecken, lecken, lecken". Bonny gab alles. Und tatsächlich, nach ca. 15 Minuten setzte der normale Atem ein. Geschafft ...
Wir hatten uns glücklich über den Gewaltakt mit dem dritten Welpen mit dem Ende der Geburt abgefunden. Dann, um 23.30 Uhr, kam in einem Schwall grünen Fruchtwassers ein vierter Welpe zur Welt, 156 g, weiblich.
Um 0.45 h wieder Presswehen ... Zum Vorschein kam ein toter, unterentwickelter Welpe, der von unserer Hündin nicht weiter beachtet wurde. Wir dachten nur: Gott sei Dank, dass er heraus ist und die anderen Welpen nicht im Mutterleib vergiftet hat.
Nach einer Wartezeit von etwa einer Stunde ging ich zu Bett. Monika schlief bei Bonny und den Welpen auf einer Matratze. Um 2.45 Uhr rief mich Monika: Hermann komm, Bonny presst wieder. Schnell kam die lebende Nr. 5, männlich, 194 g, zum Vorschein. Wir gingen anschließend wieder zu Bett. Um 4.35 Uhr rief Monika: Bonny hat erneut Wehen. Das Ergebnis: Nr. 6, männlich, 152 g.
So hatte Bonny also tatsächlich sieben Welpen geboren (bei leider einer Totgeburt).
Wir alle waren danach glücklich und fix und fertig, zumal Bonny völlig erschöpft war und die Nabelschnüre der letzten Welpen von uns abgetrennt werden mussten, ebenso die Fruchtblasen.
In der Folgezeit war Bonny eine hervorragende Mutter. In den ersten beiden Wochen machte sie alles selbst (säugen, Reinigung der Welpen einschl. ablecken von Kot und Urin). Unsere Aufgabe war es, für Hygiene im Wurflager zu sorgen, und Bonny ordentlich (5 Mahlzeiten täglich mit der dreifachen Menge) zu füttern.
Am 15. und 16. öffneten die Welpen die Augen und nach und nach ging das Krabbeln in einen Watschelgang über. Die weiteren Sinnesorgane erwachten ebenfalls (Reaktionen auf Umwelt und Geräusche).
Wir haben jede Woche die Krallen der Welpen geschnitten und alle 14 Tage entwurmt.
Am 19. Tag erkundeten die kleinen Hunde dann zum ersten Mal die große Welt. Wir waren mit ihnen bei 25° und Sonnenschein eine halbe Stunde draußen; die Aufenthaltsdauer steigerten wir von Tag zu Tag. Nach drei Wochen fütterten wir zum ersten Mal mühsam Welpennahrung als Brei. Mittlerweile hat sich herauskristallisiert, dass drei Welpen nach Bonny relativ kurzhaarig und drei Welpen nach ihrem Vater Charly langhaarig wurden. Man hat den Eindruck, es würde sich nicht um ein und denselben Wurf handeln - für Kromis jedoch völlig normal, weil eben jeder Hund anders ist.
Wir bekamen fast täglich Besuch, sei es von den zukünftigen Welpenbesitzern, von Freunden, Verwandten und vielen Kindern. So wuchsen die Welpen familiengebunden im Haushalt auf. Befreundete Hundebesitzer waren ebenfalls mit ihren Rüden zu Besuch, natürlich auch Vater Charly. Dank des guten Wetters konnten die Welpen täglich draußen toben und ihre Umwelt erkunden.
Am 01.11.2003 erfolgte die Wurfabnahme vom Zuchtverband und der erste Welpe verließ uns am darauffolgenden Tag, nach genau neun Wochen, in seine neue Familie. Ihm folgten im Abstand von jeweils zwei Tagen die restlichen Fünf. Zum Abschied gab es sowohl Tränen als auch Erleichterung, denn alle Welpen sind in gute Hände abgegeben worden, und unsere Bonny ist ja bei uns geblieben.
Alles in allem war es eine sehr schöne, wenn auch turbulente Zeit, in der wir viele neue Erfahrungen gesammelt und nette Menschen kennengelernt haben.
Ein Zitat unserer Nichten (sehr tierlieb) hierzu, die uns für einige Tage in den Herbstferien besuchten: Die Welpen sind niedlich und schrecklich zugleich.

Wir haben mit den neuen Welpenbesitzern ausgemacht, uns spätestens in einem Jahr zu einem Treffen wieder zu sehen. Ob wir noch einmal züchten, steht noch in den Sternen, obwohl die positiven Seiten überwiegen. Im nächsten Jahr wollen wir auf jeden Fall ganz normal mit unserer Bonny in Urlaub fahren.
Stellvertretend für alle, die wir in dieser Zeit mit Fragen gelöchert haben, möchten wir besonders den Rudeln von Bonnys Schwester Bibby (Familie Adrian, die unmittelbar vor uns gezüchtet hat) und unserem Deckrüden Charly (Familie Wittkampf) danken, mit denen wir mittlerweile einen freundschaftlichen Kontakt aufgebaut haben. Die Familie Ruschhaupt als unsere Zuchtwarte waren ebenfalls immer für uns da.
Monika und Hermann Welter
mit Bonny vom Mittleren Gottwill
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